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Rekonstruktion des MPSB-Personenwagens No. 13 - Seite 8 Empty Re: Rekonstruktion des MPSB-Personenwagens No. 13

am Fr 01 Mai 2020, 12:26
Mahlzeit Felix,

danke für die ausführliche Beschreibung, das ist alles sehr nobel. Baut ihr auch die Gasbeleuchtung auch wieder funktionsfähig ein? Wie sieht es mit der Saugluftbremse aus? Was ist Granitol für ein Zeug? Dazu habe ich außer einem tschechischen Folienhersteller nichts brauchbares gefunden. Luterma war ein estnischer Hersteller von Sperrholz. Wird die Inneneinrichtung auch wieder so aufwändig mit Hart- und Edelholz ausgeführt?

Gruß Sven
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Rekonstruktion des MPSB-Personenwagens No. 13 - Seite 8 Empty Re: Rekonstruktion des MPSB-Personenwagens No. 13

am Fr 01 Mai 2020, 14:43
Hallo Sven,

ja, mit den neuen Personenwagen wollte sicher die MPSB (aber wahrscheinlich auch ein bisschen die Waggonfabrik Wismar) richtig Eindruck schinden. Den beachtlichen Transportleistungen und der lokalen Bedeutung der MPSB stand noch wenige Jahre zuvor gegenüber, dass der Personenverkehr ab Windstärke 8 eingestellt werden musste. Wer sich den Fahrzeugpark unter Direktor Seiler (1905-1922) und Witthöft (1922-1949) anschaut, entdeckt viele Parallelen zur "großen" Bahn. Sei es die Einführung der Gasbeleuchtung, Dampfheizung und die (versuchte) Einführung der durchgehenden Luftbremse oder der Bau von Ringlokschuppen und die Anschaffung von Schlepptendermaschinen. Nicht zuletzt denke man an die von O&K bei den großen Dh2-Maschinen angebrachten Gattungsschilder G 44.4.
Eventuell wollte sich die Waggonfabrik Wismar auch den Pommerschen Schmalspurbahnen empfehlen, die traditionell ihre Wagen in Görlitz oder Düsseldorf beschafften.

Leider ist von der Gasbeleuchtung nur noch eine einzige Laterne (siehe Seite 1) weitgehend erhalten. Inzwischen haben wir Fragmente von vier weiteren Laternen aus einem Normalspurwagen, der als Gartenlaube diente, bekommen. Diese weisen allerdings mehr Fehl- als Bestandsteile auf. Eine Laterne fehlt uns damit immer noch komplett.
Auch die Beschaffung von Leuchtgas (Wasserstoff, Methan, Kohlenmonoxid) ist heute nicht so einfach. Zwar lassen sich Gaslaternen auf Propangasbetrieb umbauen (andere Mischdüse, ...), das wäre dann aber ein Beinahe-Neubau. Aus diesen Gründen wird es (vorerst) keine Gasbeleuchtung im Wagen geben. Wir sind aber dabei, ein Konzept für eine andere Beleuchtung zu entwickelt. Mehr dazu zu gegebener Zeit!

Die Sagluftbremse wurde bei der MPSB nie wirklich benutzt, schon kurz nach dem ersten Weltkrieg aufgegeben und aus den Wagen ausgebaut. Da bei uns auch nur Lok 3 ursprünglich über einen Luftsauger verfügte, wird der Wagen bei uns so laufen, wie auch 50 Jahre bei der MPSB: Ungebremst. (Die komplette Zeichnung zur Luftbremsanlage liegt aber bei uns im Archiv.)

Was das Granitol angeht, so warst du auf der Seite schon richtig: [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]
GRANITOL ist ein Unternehmen mit 125-jähriger Tradition. Bereits 1895 gründete Moritz Hansel die Mährische mechanische Weberei, die sich mit der Herstellung von Kunstleder auf der Basis von Nitrozelluloseanstrichen beschäftigte. Im Jahr 1910 entstand aus der Familienfabrik die Aktiengesellschaft GRANITOL, die die Erzeugung von künstlichen Textilien um Wachstuch und Lederimitationen erweiterte. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmet sich GRANITOL nach und nach der Herstellung von Sämischkunstleder, Rollos, Fußbodenbelägen, Folienkunstleder, geschweißter Galanterie sowie der Produktion von Schläuchen und Rohren für Staubsauger bis hin zur Herstellung von kaschierten Produkten (PVC auf Papier und Textil).
[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]
Es handelt sich also um silbergraues (vermutlich geprägtes) Kustleder. Einen Eindruck, wie das in etwa ausgesehen haben könnte, vermittelt dieses Bild: [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]

Was die Verwendung verschiedener Holzarten angeht, so ist hier noch nicht abschließend entschieden. Der Einbau von Furnierplatten ist aber vorgesehen! In dem originalen Endabteil wird es gewisse Abweichungen geben. Die originalen Holzteile wurden hier ja ausgeflickt. Außerdem hatte die DR das Abteil später mit verschiedenen Wandbelägen beklebt und benagelt, sodass hier das Holz nicht mehr "vorzeigbar" ist und lackiert werden musste.
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Rekonstruktion des MPSB-Personenwagens No. 13 - Seite 8 Empty Re: Rekonstruktion des MPSB-Personenwagens No. 13

am Di 12 Mai 2020, 14:18
Mahkzeit Felix,

danke für die ausführlichen Informationen.

Gruß Sven
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