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 Feldbahnmotorwagen - Type FM 12- Heinrich Lanz Mannheim

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BeitragThema: Re: Feldbahnmotorwagen - Type FM 12- Heinrich Lanz Mannheim   Mi 16 Sep 2009, 13:12

.... wobei man bei Austro Daimler absolut unterscheiden muss, ob es sich um AD-Aggregate oder AD-Lokomotiven handelt.

Die besagten Aggregate waren kompakte Einheiten mit Benzinmotor, Getriebe und Wendegetriebe in einem Stück, daher ideal geeignet, um Loren, Fahrwerke etc. zu motorisieren oder gar in der eigenen Fabrik gebaute Loks zu motorisieren - siehe diverse Lokhersteller in der Schweiz.

All diese Fahrzeuge sind jedoch keine "original" Austro Daimler Loks wenn man so will.

Das Bild mit dem 6PS AD-Aggregat deutet auch eher auf einen Eigenbau hin als auf eine originale AD-Lok, die natürlich auch diese Aggregate eingebaut hatten.

Bei den Smoschewer Loks bin ich mir nicht ganz im Klaren, ob die Aggregate bezogen wurden oder (in Lizenz?) selbst gebaut wurden. Interessant ist, dass S. auch die Loks im AD-Originaldesign gebaut hat. Da wäre wieder die Frage, ob S. die gesamte Lok in Lizenz gebaut hat oder doch nur als Händler mit Eigenmarke aufgetreten ist.

Das in der Zeit ab 1915 entwickelte 6 PS Aggregat ist weitgehend aus Aluminium gebaut, deshalb war die Dauerhaltbarkeit über die Jahre wohl nicht so gegeben und die Teile sind rar.

Die nachfolgenden nach dem 1. WK entstandenen Neukonstruktionen waren ohne Verwendung von Alugehäusen gebaut und als FB 6/8 (2 Zyl), FB10 (2 Zyl) und FB 12 (4 Zyl), FB 30 (8 Zyl V), FB 45 (8 Zyl V) vermarktet, aber auch z.B. in den Feldbahnloks SL 6/8, SL 12, SL 30 und SL 45 und in den Normalspurverschubloks VSL 30 und VSL 45 verwendet.
Auch Versuche mit Dieselaggregaten gab es.

Hauptschwerpunkt der AD-Fertigung waren jedoch Bahndienstfahrzeuge und Draisinen aller Art, die mit den entsprechenden FB-Benzinaggregaten ausgerüstet wurden. Auf diese Weise haben viele dieser AD-Aggregate bis über 1970 überlebt, oft in gehäusemäßig modernisierte und unscheinbare Bahndienstwagen (Schmal- und Normalspur) eingebaut. Nach und nach wurden diese Aggregate durch brandsichere Dieselaggregate anderer Hersteller ersetzt. Etliche Draisinen und Bahndienstfahrzeuge mit AD-Aggregat haben zumindest in Österreich überlebt - eine perfekt präsentierte Sammlung befindet sich im Südbahnmuseum Mürzzuschlag.

Wenn man AD erwähnt, sollte man auch Puch erwähnen. In Mitbewerb zu AD baute Puch vor dem ersten WK ebenfalls Feldbahnaggregate, nämlich einen 4,2 PS Typ, der auch in Eigenkonstruktionen - vornehmlich Heeresbahnfahrwerken - eingebaut wurde. Somit gab es werksmäßig motorisierte Kipploren, Langholzschemelwagen, Plattformwagen und sogar 4-achsige Personentriebwagen.

Zur Zeit des 2. WK wurde aus Kapazitätsgründen die Fertigung der Feldbahnaggreagte von AD zur Nachfolgefirma von Puch, der Steyr-Daimler-Puch AG, Werk Kromag, übertragen. Diese weitgehend baugleichen Aggregate und auch Lokomotiven unterscheiden sich nur durch Details und durch die Straffung des Sortiments, so sind bei SDP-Kromag nur die Typen FB 10A und FB20A - auch als Loks - und größere auf Anforderung gelistet. Auch diese Aggregate fanden - auch als Tausch - in größerer Zahl bei Bahndienstfahrzeugen Verwendung.

Die SDP AGgregate sind leicht erkennbar, wenn der Öleinfüllverschlussdeckel noch vorhanden ist: Dort ist das Wort "Steyr" eingeprägt, auch haben die SDP Aggregate in jedem Fall den 180 Grad schwenkbaren und verriegelbaren Vor-Rückwärtshebel, die älteren FB-Aggregate von AD jedoch einen drehbaren "Spazierstock" als (kurbelbaren) Fahrtwender.

Interessant auch, dass die AD (und SDP) FB-Aggregate mit ihrem Schaltgetriebe und Kupplung die Besonderheit hatten, dass die Kupplung auch bei der Fahrtrichtungsumsteuerung (im Stillstand natürlich) gedrückt werden musste, war doch das Wendegetriebe vor dem eigentlichen Schaltgetriebe angeordnet.

Tatsächlich ist die Zahl der erhalten gebliebenen original AD und SDP Feldbahnloks sehr überschaubar, bei Fremdkonstruktionen mit dem alten AD 6PS Aggregat sieht es besser aus, da gibts doch etliches in der Schweiz und Schweden.

Das historische 4,2 PS Puch-Aggregat findet man nur bei Motorensammlern, jedoch ohne zugehörendes Fahrzeug (das haben die meist aus Platzgründen weggeworfen ...)
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Jürgen Wening
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BeitragThema: Re: Feldbahnmotorwagen - Type FM 12- Heinrich Lanz Mannheim   Mi 16 Sep 2009, 14:57

Hallo Günther,

vielen Dank für die hochinteressanten Hintergrundinfos. Ein paar Fragen an Dich:

"Das Bild mit dem 6PS AD-Aggregat deutet auch eher auf einen Eigenbau hin als auf eine originale AD-Lok, die natürlich auch diese Aggregate eingebaut hatten."

Gerade die nach Dänemark über die Fa. Sommer exportierten Loks waren der auf dem Bild gezeigten sehr ähnlich bis identisch. Wie erklärt sich das?

"Bei den Smoschewer Loks bin ich mir nicht ganz im Klaren, ob die Aggregate bezogen wurden oder (in Lizenz?) selbst gebaut wurden. Interessant ist, dass S. auch die Loks im AD-Originaldesign gebaut hat. Da wäre wieder die Frage, ob S. die gesamte Lok in Lizenz gebaut hat oder doch nur als Händler mit Eigenmarke aufgetreten ist."

Zumindest die auf den Prospekten abgebildeten Loks mit Ballastkasten, aber auch der kleine Triebwagen mit Kippmulde unterscheiden sich schon sehr von den entsprechenden AD-Konstruktionen, die mir bekannt sind. Das wäre ein Hinweis auf die Eigenmontage. Andererseits kann ich bei den größeren Loks (12 PS und größer) keinen Unterschied zu einer normalen AD-Lok erkennen. Somit sind drei Szenarien möglich: a) Lizenzfertigung von AD-Loks plus Eigenkonstruktion der Kleinen; b) Vertrieb von größeren AD-Loks plus Eigenkonstruktion der Kleinen; c) Vertrieb von AD-Loks mit der Annahme, auch die kleinen Loks wurden bei AD gefertigt. Ich tendiere aber auf Grund der großen Erfahrungen im Lokbau durch Übernahme der Fa. Zobel in Bromberg usw. eigentlich zu a) auch deswegen, weil Smoschewer den Bau der Benzinloks erst Ende der 20er Jahre aufgenommen hat. War da AD noch - oder Kromag schon - am Bauen dieser Anachronismen samt Benzinmotor? Im Übrigen dürfte sich die Lizenzgebühr zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise plus die Zulieferung von Motoraggregaten doch sehr positiv auf AD/SDP ausgewirkt haben

"Zur Zeit des 2. WK wurde aus Kapazitätsgründen die Fertigung der Feldbahnaggreagte von AD zur Nachfolgefirma von Puch, der Steyr-Daimler-Puch AG, Werk Kromag, übertragen. Diese weitgehend baugleichen Aggregate und auch Lokomotiven unterscheiden sich nur durch Details und durch die Straffung des Sortiments, so sind bei SDP-Kromag nur die Typen FB 10A und FB20A - auch als Loks - und größere auf Anforderung gelistet."

Ich habe einen Prospekt der 6.5 t schweren Kromag-Grubenlokomotive GL 30 mit 30 PS-Steyr-Motor. Die sieht einer Austro-Daimler absolut nicht ähnlich. Gab es also weiterhin eine Konstruktion von Lokomotiven bei Kromag unabhängig vom Bau nach AD-Zeichnung?

Viele Grüße,

Jürgen
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BeitragThema: Re: Feldbahnmotorwagen - Type FM 12- Heinrich Lanz Mannheim   Mi 16 Sep 2009, 17:46

Zitat :
Gerade die nach Dänemark über die Fa. Sommer exportierten Loks waren der auf dem Bild gezeigten sehr ähnlich bis identisch. Wie erklärt sich das?
Ich möchte nicht ganz ausschließen, dass da AD Komplettfahrzeuge geliefert hat. Logisch wäre es nicht, da das gesamte Antriebs-knowhow ja in dem Aggregat drinnen war. Es war somit für Importeure und Händler ein Leichtes, aus vorhandenen gebremsten Fahrwerken eine funktinierende Lok zusammenzubauen, das konnte jeder bessere Schlosser durchführen, der sich über die Achsen und Kettenräder drübertraute. Möglicherweise wurden auch die Radsätze mitgeliefert.

Man darf auch nicht vergessen, dass der Import einer solchen doch sehr exotischen Komplettlok bei dem massiven Mitbewerb anderer Hersteller, die zum Beispiel in Deutschland auch viel näher gelegen waren, sehr unwahrscheinlich ist. Man darf nicht vergessen, dass wir uns in der Zeit um den 1. WK befinden, wo es die "neue" AD-Serie noch nicht gegeben hat.
Die geniale Geschäftsidee war das kompakte Komplettaggregat (Motor-Getriebe-Wendegetriebe), das (außer Puch) kein anderer Hersteller hatte. Konstruktionen wie die "M" hatten zwar auch Motor-Getriebekombinationen, diese waren aber durch ihre Größe konstruktiv nicht frei einbaubar.

Man muss sich das so vorstellen, dass diese 6 PS AD-Konstruktion für damalige Verhältnisse ein herausragendes Leistungs/Gewichtsverhältnis hatte - kein Wunder, stammte doch das knowhow aus dem AD-Automobilbau. Trotzdem war das Feldbahnaggregat keine filigrane Automobilkonstruktion, sondern eine eigenständige Entwicklung.

Nicht vergessen werden darf, dass das 6 PS AD-Aggregat auch für andere Zwecke Verwendung fand, z.B. in Großbetonmischmaschinen und überall dort, wo man langsamlaufende Antriebe benötigte. Durchaus möglich, dass der eine oder andere Feldbahnhändler nicht direkt bei AD gekauft hat, sondern sich die Antriebe später gebraucht aus dem Baumaschinensektor geholt und einen Feldbahnrahmen damit motorisiert hat.

Sehr wahrscheinlich ist auch, dass AD bei der Lieferung seiner Aggregate Musterzeichnungen beigelegt hat, die die Motorisierung eines Feldbahnwagens zeigen. Auch das wäre eine Erklärung, warum sich die (auch bildlich) vorhandenen Fahrzeuge ähnlich sehen.

Zitat :
b) Vertrieb von größeren AD-Loks plus Eigenkonstruktion der Kleinen
... genau dorthin tendiere ich auch.

Zitat :
Ich habe einen Prospekt der 6.5 t schweren Kromag-Grubenlokomotive GL 30 mit 30 PS-Steyr-Motor. Die sieht einer Austro-Daimler absolut nicht ähnlich.
Es gab auch AD-Grubenloks, irgendwo habe ich einen Prospekt davon, er ist aber nicht in der Mappe wo er hin sollte. Weiters gab es auch AD-Dieselloks - in den höheren PS-Klassen. AD oder SDP-Kromag Grubenloks waren aber offenbar kein Verkaufsschlager ... aber auch O&K hat da nie wirklich Fuß fassen können ...
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BeitragThema: Re: Feldbahnmotorwagen - Type FM 12- Heinrich Lanz Mannheim   Do 17 Sep 2009, 12:53

Hallo Günther u. alle anderen,

den Prospekt der Kromag-Grubenlok (nicht GL 30. sondern GL 26!) habe ich mal in die Rubrik Prospekte gestellt.

Hatte diese Konstruktion noch irgend etwas mit einer Austro-Daimler zu tun? Die alten AD-Grubenloks kenne ich gut und sehe keinerlei Verwandtschaft.

Grüße

Jürgen Wening
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BeitragThema: Re: Feldbahnmotorwagen - Type FM 12- Heinrich Lanz Mannheim   Do 17 Sep 2009, 20:55

und hier nochmal ein Bild aus Bernau:
Strafgefangene auf dem Weg ins Moor.

Leider ist das Bild ein wenig "verblitzt" aber mit dem Handy gehts leider nicht besser.

Beachtet bitte die 4-Achsige Ausführung der Transportwägen, kenne ich jetzt aus Bernau eigentlich nicht...
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BeitragThema: Re: Feldbahnmotorwagen - Type FM 12- Heinrich Lanz Mannheim   Fr 18 Sep 2009, 19:45

Schönes Bild, Chris! Ist das wirklich 880mm Spur? Sieht für meine Begriffe fast aus wie 600mm, aber da kann ich mich auch täuschen.
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BeitragThema: Re: Feldbahnmotorwagen - Type FM 12- Heinrich Lanz Mannheim   Fr 18 Sep 2009, 20:27

Tja Jürgen, das ist die Frage, angeblich stammt das Bild aus Bernau, dort gab es aber am Torfbahnhof 880mm Spur, der Außenrahmen an der Oberusel sowie die 4-Achsigen wagen mit außen gelagerten Achsen sprechen deutlich gegen den Torfbahnhof (dort waren nur innengelagerte 2-Achs einheiten im Einsatz).
Fragen über Fragen...
Vielleicht stammt das Bild ja aus einem anderen Torfabbaugebiet in dieser Region?
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