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wismarwagen
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am Di 28 Mai 2019, 10:37
Hallo zusammen,

heute möchte ich Euch ein neues Projekt vorstellen:

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Auch wenn man es nicht auf den ersten Blick sieht, handelt es sich hier um eine quasi fabrikneue Lokomotive!

Ein Bisschen zur Geschichte:
Am Donnerstag, den 14.08.1941, lieferte die Lokomotivfabrik Arnold Jung in Jugenthal der Firma Hermann Hald, Baumaschinen, Stuttgart-Gaisburg eine Lokomotive des Typs EL 110. Diese wiederum verkaufte die Maschine umgehend an die Stuttgarter Baufirma Gebrüder Gaiser.

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Für letztere ein schlechtes Geschäft, wie sich schnell herausstellte, denn da die Firma Gaiser auch mehrere Dampflokomotiven (darunter auch Brigadeloks) auf ihren Baustellen einsetzte, wurden ihr durch die Behörden keine Dieselkontingente bewilligt. So verbrachte die kleine Lok die ersten dreieinhalb Jahre ihres Lebens ungenutzt auf dem Bauhof der Firma Gaiser in Stuttgart-Feuerbach.
Als dann am 20.04.1945 die französischen Truppen sich Stuttgart näherten, bangte man bei der Firma Gaiser um die fabrikneue Lokomotive. Um sie nicht als Reparationsleistung an die Besatzer zu verlieren, schob man die Lok kurzerhand in eine Ecke des Bauhofs und bedeckte sie mit einem großen Holzstapel. Tatsächlich bleib die Lok zunächst unbemerkt. Jedoch hatte man sie so gut versteckt, dass sie im Laufe der nächsten, überaus arbeitsreichen Jahre in Vergessenheit geriet.

Zu Beginn der 1960er Jahre wurde der Holzstoß abgetragen und die Lokomotive wieder entdeckt. Da hatte die Firma Gaiser bereits sämtliches Feldbahnmaterial abgegeben und auf den Baustellen komplett auf gleislosen Betrieb umgestellt. So erhielt die Lokomotive, deren Lack in dem dunklen, feuchten Holzstoß stark gelitten hatte, einen neuen Anstrich in den Firmenfarben (gelb) und wurde vor dem Büro als Denkmal aufgestellt.
Als die Firma Gaiser schließlich 2000 Konkurs anmeldete und die verbliebenen Baumaschinen versteigert wurden, erwarb ein Mitglied des Frankfurter Feldbahnmuseums die Lokomotive sowie einige Baugeräte und stellte sie zunächst privat unter. Eine begonnene Restaurierung kam über die Demontage der Blechaufbauten allerdings nicht heraus. Dafür erhielt die Lokomotive nach 55 Jahren wieder ein Dach über dem Kopf.

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Als 2018 dieses Außenlager geräumt werden konnte, kam die Lok endlich in ihre neue Heimat und wurde zunächst provisorisch montiert in der Halle 3 eingelagert.

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In den nächsten Monaten soll die Lokomotive nun durchgesehen und zum Leben erweckt werden. Augenscheinlich befinden sich alle wichtigen Komponenten in einem sehr guten Zustand. Kaum verwunderlich, hat die Lokomotive doch in Ihrem Leben bisher wohl nicht einmal einen Kilometer (!) aus eigener Kraft zurückgelegt.

Leider haben die Blechaufbauten unter der Witterung stark gelitten. Die unteren 10 cm sind auf allen Seiten nur noch in Papierstärke vorhanden. Auch ist sowohl von der originalen Lackierung, als auch von der Denkmalfarbe nicht mehr viel geblieben. Es stellt sich daher die Frage, in welchen Zustand die Restaurierung erfolgen sollte/erfolgen kann:
- Ersatz der fehlenden Blechpartien durch optisch ähnliche (verwitterte) Bleche
- Ersatz der fehlenden Blechpartien und Lackierung dieser zur Kontrastierung von Originalsubstanz und Ergänzung
- Komplette äußerliche optische Aufarbeitung der Lokomotive in den Werksfarben (grün/rot)
- Komplette äußerliche optische Aufarbeitung der Lokomotive in den Farben der Firma Gaiser (gelb/schwarz)

Hierzu würde ich gerne Eure Meinung hören.

In den nächsten Tagen werde ich einige Bilder zum aktuellen Zustand der Lokomotive nachreichen.
StefanM
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am Di 28 Mai 2019, 11:32
interessante Geschichte. In dem Fall würde ich mich für die Komplettrestaurierung mit Farben im Auslieferungszustand entscheiden. Eine andere Geschichte hat die Lok nicht. Und das ranbasteln von anderen Blechen und farblich belassen sieht bescheiden aus.

Viel Erfolg!
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am Di 28 Mai 2019, 11:38
Hallo Felix,

schließe mich Stefan an: Werksauslieferungszustand rot/grün!

Gruß

Rüdiger
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am Di 28 Mai 2019, 11:54
Hallo Felix,

sehr tolle und interessante Geschichte. Hier bleibt bei mir die Frage der angebauten Holztüren...

So etwas wurde ja gern "im Einsatz" vom Personal angebaut, oder wurden die Türen erst am Denkmal (um ein besteigen des Führerstandes zu verhindern) angebracht???

Auch ich würde mich Stefan und Rüdiger anschließen, da doch schon sehr viel von der alten Substanz verloren ist...

Grüße Sven K.
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am Di 28 Mai 2019, 12:34
Grüße Felix.
Ich habe ja schon davorgestanden.
Für mich kommt auch nur der Werkszustand in Frage.

Keinesfalls das Denkmalgelb.
Das war reiner Zufall.
Wäre eine Walze gefunden worden, wäre die genauso getüncht worden.
Hat also keinen Bezug zur Lok.

Und Blechinstandsetzung in Rostzustand oder farblicher Absetzung würde einfach ein zu "trauriges" Endergebnis für diese tolle Lok bedeuten.
Ich denke, als "Survivor" hat sie doch mehr verdient.

MfG
Robert
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am Di 28 Mai 2019, 18:15
Hallo Felix,

auch meiner Meinung nach solltet ihr die fast 80-jährige Dame, nicht mit "verschlissenem Kleid" versehen.

Wenn sie schon die Chance auf ein zweites Leben bekommt, dann bitte im Werkszustand.

Grüße Gerd
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am Di 28 Mai 2019, 18:34
Hallo, die Lok ist doch nun mal 80 Jahre alt.
Und sie hat eine einmalige Geschichte.
Deshalb: - Ersatz der fehlenden Blechpartien durch optisch ähnliche (verwitterte) Bleche und Konservierung durch Ovatrol oder ähnlich unaufdringliches
und technische Instandsetzung des Antriebsstranges und der Bremse, damit sie auch gefahren werden kann.
"Werksneues" Feldbahnmaterial ist nicht authentisch und irgendwie langweilig.


findet der FebAGCo
phi
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am Di 28 Mai 2019, 19:53
Hallo,

Ist das Führerhaus ein Jung Originalteil?

Grüße
phi
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am Di 28 Mai 2019, 21:53
Ich schliesse mich FebAGCo an!
Neu lackieren kann jeder!
Aus musealer Sicht ist die Variante mit technischer Überholung, dezenter passender Blechreparatur die bessere, da so das meiste der Originalsubstanz erhalten bleibt. Natürlich darf das Konservieren mit einem Halböl nicht fehlen. Denn wenn einmal Farbe darüber ist, ist sie nichts besonderes mehr. So ist es viel Verblüffender, wenn man dem Besucher genau die Geschichte erzählen kann, dass diese Lok aus ihrem werksneuen Dornröschenschlaf geweckt wurde - jedoch aber ihren verwitterten Schlafrock noch trägt. Als wäre sie gerade erst gefunden worden.

Sind denn noch minimale Farbreste vorhanden?

Als kleines Blech-Beispiel sei hier ein Bild zu zeigen, um die Maschine geht es in einem anderen Thema:

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Rückwand und andere kleine Teile sind nachgefertigt.

_________________
Beste Grüße
Paul

"Maschinen irren nicht. Der Irrtum ist das Privileg des Menschen."
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am Di 28 Mai 2019, 22:04
Hallo zusammen,

vielen Dank für die schon zahlreichen Antworten, denen ich allen zustimmen kann (was die Entscheidung nicht gerade leichter macht Wink ).
Wie geschrieben, werde ich in den nächsten Tagen einige Detailbilder nachreichen. Dann wird es auch um das Führerhaus und die Türen gehen. Soviel vorweg: Beides wohl nicht in Jungenthal gebaut!
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