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 Namibia Teil 4: Vergessene Diamantbahn bis Elisabethbucht. (sehr viele Bilder)

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zombie70
Dampflokheizer
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BeitragThema: Namibia Teil 4: Vergessene Diamantbahn bis Elisabethbucht. (sehr viele Bilder)   So 18 Jun 2017, 14:08



Lost Places in Südwest!

Heute geht es nun endlich zu den Diamantbahnen! Hier ein paar Infos zum heutigen Beitrag, wie auch zum kommenden Teil 5. Anfangen möchte ich mit Elisabethbucht, im nächsten Beitrag wartet das Finale bis Bogenfels. Die Diamantbahnen, bis Elisabethbucht elektrifiziert wurden noch unter zu deutscher Zeit errichtet und die ganze, etwa 100km lange Diamantbahn schon 1935 spätestens wieder stillgelegt. In der Literatur wird sie als abgebaut beschrieben, was (vor im Teil 5 sichtbar) so nicht stimmt! Ich vermute das partielle Abbaumaßnahmen nur erfolgten um eine kürzere Strecke an der neuen Diamantmine in Oranjemund zu errichten, alles andere im Sperrgebiet hier überließ man sich selbst. Teils hastige Verschrottungsaktionen von allem möglichen Material wurden plötzlich aufgegeben und nie wieder fortgesetzt. Das Klima dort ist für Südwestverhältnisse extrem. Starke Winde, Feuchtigkeit (ich erlebte Regen in der Wüste!) und die salzhaltige Seeluft lassen fast Paradoxien entstehen. So sind z,B. Holzschwellen nach all den Jahrzehnten teilweise "unkaputtbar" und wie neu, während das Eisen und der Stahl sich oft komplett zersetzt hat! Selbst ganze Fahrzeuge haben sich fast komplett in Eisenoxid verwandelt.

Spurwite 600mm, Streckenlänge etwa 100km. Davon etwa 30km elektrifiziert. Ca. 1935 eingestellt und teilweise abgebaut. (Alle Angaben variieren in den Veröffentlichungen etwas)

Doch seht selbst!

Angefangen wird heute nochmal in Lüderitz(bucht), ein er kleinen sympathischen Hafenstadt mit viel deutscher Geschichte! Die Eisenbahn nach Lüderitz ist immer noch nicht wieder aufgebaut, obwohl seit etwa 20 Jahren daran rumgebaut wird. Man will sie aber für den Kupfertransport nutzen. Die Wanderdünen sind nach wie vor das größte Problem, sie einfach wegzuschieben (wie auf der Straße) scheint nicht mehr zeitgemäß; jetzt hat man den glorreichen Plan etwa 5km vor Lüderitz die Bahn zu übertunneln!!!...
Wer die Verhltnisse in Namibia kennt wird erhebliche Zeifel haben bei diesem Projekt! Ich sag es mal anders, eher fährt in Berlin die Straßenbahn wieder zum Kudamm fahren als die Eisenbahn im Tunnel nach Lüderitz!



Der erst 1914 fertiggestellte Bahnhof in Lüderitz mit neuen Gleisen.





Blick vom Bahnsteig.





Schöne Straße, auch hier verliefen überall Feldbahngleise der Transportbahnen.









Na woher kam wohl der Erbauer des Hauses "Berolina" ??? Wink









Fast wie zu Hause ..





Ein per Hand angestrichener alter Bulli! Einfach schön...





Blick über den bekannten Felseneinschnitt der Eisenbahn, hin zur Stadt! Das bekannte alte Hotel "Krabbenhöft und Lampe" hatte uns leider abgesagt einige Zeit vorher weil dort die ganze Filmproduktion von einem neuen "Captain American" dort einquartiert ist.


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Übersichtskarte über die Diamantbahnen.





Darstellung der Gleisanlagen in Elisabethbucht.



Beginnen möchte ich in Kolmannskuppe! Da der Ort aber die so ziemlich Hauptattraktion in Namibia geworden ist (völlig zu Recht!!) und Bilder ohne Ende dazu im Netz sind, verzichte ich darauf hier auch Bilder zu spammen. Nur ein paar möchte ich zur Veranschaulichung beisteuern.





Eine Personenlore vor über 40 Jahren im Sperrgebiet im Originalzustand.





Wahrscheinlich die selbe Lore heute.





Kolmannskuppe









Auch hier gibt es noch Gleisreste die öffentlich zugänglich sind, wieviel wohl noch unter dem Sand vergraben ist? Einige Häuser sind ja bis zum Dach verschüttet?!









Kolmannskuppe ist wirklich eine Reise wert und Ihr werdet viele Bilder verschießen wenn Ihr da seit! Besonders hat mich aber unbeachtete gereizt, wie hier die alte Kabelaufhängung aus der Frühzeit der Elektrifizierung in Detschland. M.W. nach war das bereits in den 20ern nicht mehr statthaft.





Der Bahnhof von Kolmannskuppe ist nach wie vor Sperrgebiet und dient als Kontrollpunkt! Hier die ehemalige Verladerampe links.





Links der alte Lokschuppen. Das Schild sagt deutlich, daß das hier keine Einfahrt in eine Wellnessanlage ist Smile









Das Bahnhofsgebäude der Diamantbahn, hier war leider "Aussteigen verboten"!





Dieser Bereich von Kolmannskuppe ist ebenfalls noch immer Sperrgebiet und nicht zu betreten.





Die ehemalige "Centralwäsche" für Diamanten in der Nähe von Kolmannskuppe. Da es sich immer noch um aktives Minengebiet handelt durften wir auch hier nicht aussteigen. Wir bleiben aber drann zu einem späteren Zeitpunkt  alles erforschen zu dürfen! ...





Auch hier kann man nur vermuten wieviel Bahnanlagen unter dem Wüstensand noch vorhanden sind?!





Die Abraumhalde der aktuell betriebenen Diamantmine.





"eBay" mal anders.. Auf die Mauer am Eingangstor hat man neben "Elisabeth Bay Mine" treffend "eBay" hingeschrieben Very Happy





Das in den 30er Jahren verlassene "eBay" trotzt gespenstisch dem rauen Klima! Man sagt das die Stadt nur für neun Jahre bewohnt war. Interessant ist, wie Ihr bald sehen werdet, daß es sich von der Architektur um eine fast rein deutsche Siedlung handelt, obwohl erst nach dem ersten Weltkrieg erbaut. Ich vermute das es sowieso deutsche Ingeneure und Architekten waren die hier alles erbauten. Alle erhaltenen Inschriften sind auf deutsch, die Minengesellschaften waren noch bis zum Verkauf im Jahre 1920 in deutscher Hand und wurden erst dann nach Quellenlage an Südafrika verkauft. Es ist also logisch das noch lange Zeit fast alles aus Deutschland hier eingeschifft wurde, quasi wie vor dem ersten Weltkrieg.





Links die Minenverwaltung, rechts das Fundament des Lokschuppens.





In der Verwaltung, altes Equipment und alte Bohrkerne aus späterer Zeit.





Gleise im Fundament des Lokschuppens.





Blick auf die Siedlung!





Die Zentralwäsche in Elisabethbucht! Damals eine der modernsten Anlagen der Welt! 1924 wurde der erste Spatenstich gesetzt und fast alles kam von der deutschen Industrie damals!!!

























Und Bahnreste fast direkt an der Brandung. Die Atmosphre ist unbeschreiblich, die Stille die über dem Ort liegt, nur unterbrochen durch die Brandung des Meeres, während gespenstisch die verlassenen Häuser von der Sonne bescheint werden. Das kann ich leider nur sehr bedingt in Fotos wiedergeben...





Andere Richtung..





Das Kasino von 1927













In einem Wohnhaus. Kuhlorohr und Porzellansteckdose, wohl auch aus der Heimat!









Ein Bahndamm, erkennbar an Eisenoxidspuren...





Bei manchen Gebäuden wurden die Dächer abgebaut, die sind naturgemäß stärker vom Verfall betroffen.

























Die Holzhäuser hat es über die Zeit fast alle niedergelegt.





















Ein Verwaltungsbau?





Innen..





Verrottete Schwellen.





Bahndamm am Verteilerturm.





Das ehemalige Haus des Direktors wird noch von Minenarbeitern genutzt und ist verschlossen.













Zu dem "Palmenzimmer" wo wir gegessen hatten gibt es eine Geschichte. Ein Arbeiter wollte seine Freundin hier nach Afrika locken und versprach ihr Nächte unter Palmen! Sie kam, ...und muß reichlich entsetzt gewesen sein über das was sie hier vorgefunden hat. Auch die Zeichenkünste hielten sie nicht und sie verließ ihn schon bald.
Leider kein Happy End...



Bild "fahrtnachelisabethbuc33ud6.jpg" anzeigen.

Bahndamm zwischen dem Arbeiterviertel und der "Werft", dem Viertel der Schwarzen.





In diesen Kuhlen haben sie geschlafen.
Moment, wer jetzt aber wieder ganz politisch korrekt masochistisch betroffen wird von den ach so bösen weißen Menschen sollte bedenken das die Jobs hier heiß begehrt waren, sie soviel Geld wie kaum im Land verdienten und fließend Wasser etc. purer Luxus waren. Die Schwarzen waren damals (wie teils heute in etwa auch noch) gewohnt in Reisighütten zu leben, ohne Wasser oder Hygiene. Deshalb hat sich auch nie jemand beschwert.









Die Küche.









Die Heizkessel im Keller, noch nicht verschüttet!



Und das Beste kommt zum Schluß!

Für diese 600mm Loren ist die Zeit wohl schon lange und endgültig abgelaufen! Selbst mit bestem Willen wäre hier eine Erhaltung nicht mehr möglich. Man sieht einfach nur wie vergänglich die Leistungen unserer Zivilisation sind...









































Na, Hersteller dieser Lore?





"FRIEDRICH KRUPP
ACT - GES
ESSEN"

War das eigentlich Heeresfeldbahnmaterial???


So, daß war es für heute, als nächstes kommt noch das Finale bis Pomona und Bogenfels, für alle Lost Places, und natürlich alle Feld- und Eisenbahnfreunde!

Nun die Frage, kann man das hier noch toppen im Folgebeitrag? ... Lasst Euch überraschen!


Gruß, zombie.
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AFKB
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BeitragThema: Re: Namibia Teil 4: Vergessene Diamantbahn bis Elisabethbucht. (sehr viele Bilder)   So 18 Jun 2017, 15:36

Hallo Zombie,
sehr schöne Berichte über eine Gegend, wo die meisten von uns wohl nie die Möglichkeit haben werden, hin zu kommen.
Erstaunlich, wie bei entsprechender Klimawirkung, sich Eisen wieder zerlegen kann!
Bin gespannt auf den Teil 5 deines Berichtes.
Danke fürs zeigen.

Grüße Gerd
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BeitragThema: Re: Namibia Teil 4: Vergessene Diamantbahn bis Elisabethbucht. (sehr viele Bilder)   So 18 Jun 2017, 15:56

Danke für die Mühe die Du dir hier gemacht hast, Görres. Sind wirklich tolle Fotos! Daumen hoch
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BeitragThema: Re: Namibia Teil 4: Vergessene Diamantbahn bis Elisabethbucht. (sehr viele Bilder)   So 18 Jun 2017, 16:05

Das sind absolut eindrucksvolle Bilder!

Viele Grüße
Markus
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BeitragThema: Re: Namibia Teil 4: Vergessene Diamantbahn bis Elisabethbucht. (sehr viele Bilder)   So 18 Jun 2017, 17:00

Hallo Tsombie!
Als "Kenner" dieser Ecke, kann ich nur den Hut lueften, was dir so alles ermoeglicht wurde und was du hier draus machst. Es ist zu hoffen, dass dir die weitere "Erforscbung" bewilligt wird. Das Ganze wuerde sich dann aber eignen in einer Broschuere oder CD-Dokument festgehalten zu werden! Denn viele Arbeiten gibt es nicht gerade ueber diese Gegend!
Die unterschiedlichen Angaben ueber die Strecken der Diamantenbahnen in der Literatur ruehren daher, dass mehrere Gesellschaften parallel daran beteiligt waren. Auch gab es ganze Gegenden wo die Gleise jeweils dem Arbeitsfortschritt folgten und steter Wandlung unterworfen waren.
Bin im Oktober wieder in Luederitz und Kolmannskuppev(leider aus zeitlichen Gruenden nicht weiter im Sperrgebiet).
Toll!
Battli
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BeitragThema: Re: Namibia Teil 4: Vergessene Diamantbahn bis Elisabethbucht. (sehr viele Bilder)   So 18 Jun 2017, 21:08

Vielen Dank für den eindrucksvollen Bericht! Besonders gut gefällt mit Teil 4.
Die Zersetzung ist ja extrem, das habe ich bisher nur unter Tage so gesehen.


_________________
Grüße, Matthias

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BeitragThema: Re: Namibia Teil 4: Vergessene Diamantbahn bis Elisabethbucht. (sehr viele Bilder)   So 18 Jun 2017, 21:47

Ich kann mich dem nur anschließen. Wahnsinn !!!
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BeitragThema: Re: Namibia Teil 4: Vergessene Diamantbahn bis Elisabethbucht. (sehr viele Bilder)   Mo 19 Jun 2017, 12:10

Ein Riesendanke für diesen aufwändigen Bericht! Umwerfend.
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deutzl
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BeitragThema: Re: Namibia Teil 4: Vergessene Diamantbahn bis Elisabethbucht. (sehr viele Bilder)   Mo 19 Jun 2017, 12:27

Hallo Görres,

Danke für Deine tollen Reiseberichte und die "Super" Bilder !

Die Fahrzeuge dürften kein HF Material sein.

Grüße Sven K.
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