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 Eisenbahnfotograf Günther Meyer gestorben

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BeitragThema: Eisenbahnfotograf Günther Meyer gestorben   Sa 14 Nov 2015, 20:37

Am 11.11.2015 verstarb der Eisenbahnfotograf Günther Meyer im Alter von 88 Jahren.

Die Fachwelt trauert um einen der bedeutendsten Vertreter der ostdeutschen Eisenbahnfotografie der Nachkriegszeit und Eisenbahner mit Leib und Seele.
Bereits zu Beginn der 50er Jahre begann er mit der fotografischen Dokumentation des Eisenbahnalltags in der DDR. Seine Bilder besaßen eine ganz eigene lebendige Handschrift,
er hatte einen besonderen Blick für's Motiv und bezog stets das Umfeld von Fahrzeugen und Bahnanlagen mit ein, was die Fotos besonders lebendig erscheinen ließ.

Geboren 1927 im Aue/Sachsen wurde er 1944 zum Kriegsdienst bei der Wehrmacht einberufen. Nach der Rückkehr aus britischer Gefangenschaft arbeitete er als Radiometrist im Uranerzbergbau bei der SDAG WISMUT, wo er auch mit der 600-mm-Bahnförderung in Johanngeorgenstadt in Berührung kam. Ab 1955 war er bei der DR zunächst als Mitarbeiter der Bahnmeisterei Aue, später dann im Betriebsdienst als Schaffner und Zugführer tätig, später bekam er eine Planstelle als Ausschlacker und wurde schließlich Heizer. Anschließend absolvierte er eine Ausbildung als Schlosser und besuchte vom 29.01. bis 03.04.1970 den Abschlusslehrgang für Dampflokomotivführer an der Lokfahrschule Güstrow. Als Lokomotivführer des BW Aue befuhr bis zum Herbst 1990 die Strecken um den westerzgebirgischen Bahnknotenpunkt, ab 1976 auch auf Diesellokomotiven.

Günther Meyer besaß ein enormes Fachwissen und dokumentierte schon in den 50er Jahren von der Stilllegung bedrohte Schmalspurbahnen und eine Vielzahl von Werk- und Feldbahnen, für die sich damals nur wenige Fotografen interessierten. Auf seinen Exkursionen trug er stets Uniform, was ihm so manch seltene Gelegenheit zum Ablichten eröffnete. Dennoch wurde 1955 das MfS wegen Spionageverdachts auf ihn aufmerksam, worauf er eine Vielzahl an Fotos und Negativen verbrannte. Vom Fotografieren ließ er sich jedoch nicht abhalten, seine Sammlung umfasst mehr als 100.000 Fotos. Sein Sohn hat das Archiv noch zu Lebzeiten übernommen und führt es weiter.

Er sammelte vielfältige Dokumente und tauschte Informationen Fotos, Repros und Negative mit anderen Fotografen aus, fertigte Tonbandaufnahmen an. Bereits vor der Wende pflegte er auch Kontakte zu bundesdeutschen Fotografen, wie dem ebenfalls in diesem Jahr verstorbenen Gerhard Moll. In zahlreichen Büchern und Zeitschriften wurden seine Bilder anonymisiert ua. unter "Sammlung Moll" veröffendlicht. Nach 1990 erschienen zahlreiche großformative Bildbände im EK-Verlag, die letzten zurecht in der Reihe "Alte Meister der Eisenbahnfotografie"

Ich lernte ihn als Arbeitskollegen meines Vaters Ende der 80er Jahre flüchtig kennen, wie er auf einer Wanderung entlang einer abgebauten Bahnstrecke unter einen stehengebliebenen Wagenkasten kroch und nach dem am Rahmen angenieteten Fabrikschild tastete. Auch überließ er meinem Vater hin und wieder den Regler seiner 50.35, die seinen Feierabendzug von Aue nach Schwarzenberg zog.

Nun hat sein letzter Zug den Endbahnhof erreicht.


In stillem Gedenken und tiefer Anteilnahme mit der Familie.
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achristo
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BeitragThema: Günter Meyer gestorben   So 15 Nov 2015, 15:17

Hallo zusammen,

Gerhard Moll erzählte mir zu Lebzeiten ein paar Stories über Günter Meyer. So war Moll vor der Wende ein paarmal bei Günter Meyer in Aue zu Besuch. Meyer muss recht risikofreudig gewesen sein, was das Fotografieren betraf. Jedenfalls überließ er Gerhard Moll nicht nur das Führen seiner Dampflokomotive, sondern lotste ihn auch in einige gefährliche Abenteuer, die auch schnell hätten schief gehen können. Gerhard Moll war jedenfalls ziemlich geschockt.

Andererseits: Nur so konnten viele der hochinteressanten Fotos von Günter Meyer zustande kommen.

Gruß Andreas
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BeitragThema: Re: Eisenbahnfotograf Günther Meyer gestorben   So 15 Nov 2015, 21:00

Mahlzeit Andreas,

ja er hat viel riskiert. Die wenigen Bilder von der 600-mm-Bahnförderung in Johanngeorgenstadt entstanden auch zu einer Zeit, als der Ort noch Sperrgebiet war.
Hut ab!

Gruß Sven
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