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Holger Dietz
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Parkeisenbahn Cottbus Empty Parkeisenbahn Cottbus

Mi 27 Okt 2021, 13:21
Hallo,

es ist ein überaus erfreulicher Herbst für die Cottbuser Parkeisenbahner! Nachdem erst kürzlich die Brigadelok zurückgekehrt ist, konnte nun auch "Graf Arnim" alias
99 3301 in ihrer Heimat begrüßt werden:

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Neben der Änderung der Lackierung gab es weitere auffällige Neuerungen. So ist z. B. der erste Dom etwas kleiner geworden, u. stößt optisch nicht mehr an den Kobel.

Beste Grüße an die Cottbuser Parkbahner, u. allzeit gute Fahrt mit ihren schönen Dampfern!

Holger

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Parkeisenbahn Cottbus Empty Re: Parkeisenbahn Cottbus

Sa 30 Okt 2021, 20:14
Mahlzeit!

Die Maschine entspricht nach der Generalreparatur weitgehend dem optischen Erscheinungsbild um 1960. Dafür wurden im Rahmen der notwendigen Hauptinstandsetzung über die rein technische Aufarbeitung hinaus umfangreiche Arbeiten zur Wiederherstellung des mit dem Denkmalschutz vereinbarten Zustandes ausgeführt.

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Die Maschine im Zustand kurz vor dem Beginn der Hauptinstandsetzung.

Der Tenderaufbau wurde 1970 im RAW Stendal nach einem Brand neu gebaut und war wesentlich höher, als die Ursprungsausführung. Die Seitenwasserkästen wurden später im RAW Görlitz in sehr freier Interpretation neu gebaut. Der Rahmenwasserkasten wurde damals wegen seines schlechten Zustandes trockengelegt und die komplette Leitungsführung verändert. Dies führte zu permanenten Problemen mit den Injektoren. Der veränderte Schwerpunkt führte zu einer Verschlechterung der Laufeigenschaften, die Probleme wurden mit einer fehlerhaften Profilierung der Radsätze bei der Aufarbeitung im Vorfeld der BUGA 1995 noch verstärkt. Zudem waren die Kulissen der Stephensonsteuerung seit dem RAW-Aufenthalt in Stendal 1970 falsch herum angebaut, so dass die Dampfverteilung äußerst ungünstig war.

Die elektrische Beleuchtung mit den Anbaulampen einer 52er und der Stromversorgung über einen 0,5kW-Turbogenerator war für die 40-PS-Maschine nicht nur optisch unpassend, sondern sorgte auch für einen hohen Dampfverbrauch. Der Dampfdom wurde noch Mitte der 60er Jahre bei der WEM durch einen Größeren, baugleich mit dem der Diana. Dabei wurde der Krauss-Regler vor dem Dom gegen einen seitlich angeordneten von einer Brigadelok ersetzt, was auch hier eine Änderung der Leitungsführung nach sich zog. Zur gleichen Zeit wurden die originalen Körting-Injektoren durch solche der Bauart Strube ersetzt. Die Federwaag-Sicherheitsventile wurden durch die Bauart Ackermann AK45 ersetzt. Deren lichter Durchmesser ist um 5 mm größer gegenüber der ursprünglichen Ausführung. Der gegossene Dampfentnahmestutzen wurde durch einen geschweißten der Bauart IVk, für den kleinen Führerstand viel zu riesig. All diese Umbauten waren im Wesentlichen den wirtschaftlichen Zwängen und fehlender Originalersatzteile geschuldet. Technische Verbesserungen wurden hierdurch kaum erreicht.

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Der Führerstand im Jahr 2006. Ein Jahr später wurden die völlig verschlissenen Strube-Pumpen durch Industrie-Injektoren der italienischen Firma Giudici ersetzt. Eine Verbesserung brachte dies nicht, da sie mit 21,6L Förderleistung viel zu klein waren. Das originale runde Kesselfabrikschild wurde um 1970 in Cottbus gestohlen. Damals besaß die Bahn noch keinen Lokschuppen und die Maschinen waren ungeschützt im Freien abgestellt. Als Ersatz fertigte man damals ein ovales Blech-Schild an, das mit Schlagbuchstangen beschriftet und an neuer Position in Kesselmitte angebracht wurde. Die Aussparung für das ursprüngliche Schild in der Kesselverkleidung wurde mit einem aufgeschraubten Blechdeckel verschlossen.

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Im Vergleich dazu der völlig neu ausgerüstete Führerstand.

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Erheblichen Aufwand machte die Konstruktion der fehlenden Originalarmaturen. Bis auf die Wasserstandsprüfhähne wurden alle vorhandenen Armaturen ersetzt und bis auf die Injektoren im eigenem Werk gefertigt. Da nur wenige Zeichnungen (Danke an Marian Sommer ua.) beschafft werden konnten, mussten zunächst Lokomotiven mit baugleichen Armaturen ausfindig gemacht werden. Es gelang uns, den Dampfentnahmestutzen und die Speiseventile auszuleihen und zu vermessen, wofür wir Herrn Bracke vom VMD danken. Die für die Fertigung notwendigen Gussmodelle entstanden teils als klassisches Holzmodell, teils im 3D-Druck-Verfahren. Auch bei der Kernfertigung wurden beide Verfahren eingesetzt.

Nach umfangreicher Recherche für uns die Konstruktionarbeit. Während wir beim Rahmenwasserkasten auf die noch in Resten vorhandene Originalsubstanz zurückgreifen konnten, waren für die Rekronstruktionen der Seitenkästen, des Führerhauses und des Tenders nur sehr wenige Informationen vorhanden. In monatelanger Arbeit wurden Skizzen, Konstruktionszeichnungen und CAD-Modelle erstellt, während die Arbeiten an Kessel und Fahrwerk begannen. Nach der Vermessung des Kessels wurde auch von diesem ein vollständiges 3D-Modell erstellt und die notwendigen Änderungen konstruiert. Der Langkessel wurde komplett mitsamt Rauchkammer erneuert, der Dampfdom wieder in seiner ursprünglichen Ausführung hergestellt. Der Stehkessel und die kupferne Feuerbüchse konnten wegen des guten Zustandes aufgearbeitet werden. Hierbei kamen klassische Verfahren wie das Warmnieten und Verstemmen, sowie der Einbau von kupfernen Aufdornstehbolzen zum Einsatz, die von der Kesselfabrik Kolín noch beherrscht werden.

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Auch die Beschilderung entspricht nun wieder dem ursprünglichen Zustand.

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Die Lok nach bestandener Probefahrt in Cottbus am Bahnhof Sandower Dreieck.

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Der neue Dampfdom mit den beiden federbelasteten Sicherheitsventilen, wie sie bis 1963 vorhanden waren. Der Querschnitt entspricht nun auch wieder den Angaben auf der Kesselzeichnung.

Die elektrische Ausrüstung, die für den Betrieb in Cottbus notwendig ist, wurde nach historischen Vorbild komplett neu konzipiert. Die Stromversorgung läuft nun über eine LKW-Batterie, die wie in den 50ern im rechten Seitenkasten untergebracht ist. Großen Wert wurde dabei auf eine unauffällige Installation gelegt, ohne FABEG-Dosen und den bisher verbauten großen Schaltkasten, der bei großen Lokführern immer mal wieder für Kopfschmerzen sorgte. Für das geforderte 3-Licht-Spitzen-Signal wurden bei einem Feinblechner in Neubrandenburg Nachbauten der ursprünglich mit der Maschine gelieferten und fotografisch belegten, bayrischen Petroleumlampen mit warmweißen LED-Leuchtmitteln beauftragt. Diese sind jedoch noch nicht fertig, weshalb übergangsweise kleinen Magnet-Lampen gefahren wird. Die seitlichen Lampenhalter waren in den 50er Jahren noch an der Lok vorhanden und wurden originalgetreu nachgebaut.

Für mich als Konstrukteur und Projektingenieur im Auftrag der 1.Kolínská Lokomotivní waren die Arbeiten an der 99 3301 in den letzten 3 Jahren eine wohl einmalige Gelegenheit bei der so umfangreichen Restaurierung dieser einzigartigen Lokomotive mitzuwirken. Das Projekt verbindet klassische und moderne Verfahren, aber auch Fachleute und Enthusiasten über Ländergrenzen hinweg. Es zeigt auch, was möglich ist. Sowohl die technischen Erfordernisse, verbunden mit hohen restauratorischen Ansprüchen, als auch die betrieblichen Rahmenbedingungen wurden mit exzellenten Facharbeitern und einem tollen Projektteam umgesetzt. Dafür möchte ich Christian, Michal, Karel, Jiri, Zdenek, Jirka, Ondrej und Slavek danken.

Natürlich wird sich die Maschine nun im Regelbetrieb beweisen müssen, die Probefahrten der letzten Wochen verliefen jedoch sehr vielversprechend. Eine ausführliche Dokumentation des Projektes werden wir später noch nachreichen, nun warten erstmal neue Aufgaben auf uns.

Gruß Sven

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Parkeisenbahn Cottbus Empty Re: Parkeisenbahn Cottbus

Sa 30 Okt 2021, 21:46
Wahnsinn!!

Wie geil ist das denn?!

Einfach nur super, was mit Liebe zum Vorbild und dem entsprechenden Fachwissen und Willen alles möglich ist.

Maschinist, Christian, Krohny, Feldbahner-Nicklheim, Brigadelok 1739 und Irvin_66 mögen diesen Beitrag

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