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Markus Brunner
Feldbahnspezialist


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BeitragThema: Re: Brigadewagen   Fr 09 Jan 2009, 09:32

Wir verwenden zum Kuppeln unserer Eigenbau-4-Achs-Wagen seit langem gefederte Kuppelstangen anstatt der üblichen Feldbahnkuppelketten. Da die Personenwagen keinen historischen Wert haben, und in erster Linie kommerziellen Zwecken (=Vereinskasse aufpeppeln...), halten wir diesen Stilbruch für vertretbar. Zusätzlich werden die Wagen mit einhängbaren Drahtseilen untereinander gesichert, sollte der unwahrscheinliche Fall einer Zugstrennung eintreten. Und für die P-Zug-Loks haben wir Adapter gebaut, die an den originalen Puffern einhängbar sind, und die mit LKW-Anhängerkupplungen ausgestattet sind. So kann man völlig gefahrlos kuppeln, ohne Gefahr des Fingerquetschens.

Wenn ich mich hier im Forum manchmal über überrissene Behördenkontrollwut auslasse, liegt das in eigenen Erfahrungen begründet, wie weltfremd Prüfbehörden sein können (zum Glück natürlich nicht alle, das soll hier auch betont werden!!).

Ein Beispiel: wir wurden vor Jahren angefragt, mit unserer Festbahn an einem Stadtfest in Süddeutschland gleich jenseits des Rheins mitzumachen. Wir haben dann abgeklärt, was das alles an behördlichen Genehmigungen braucht - und haben dann dankend abgelehnt, weil die verlangten Vorschriften und Massnahmen schlicht jenseits von gut und böse war!
So war es zwar behördlich OK, für den P-Zug-Betrieb Kuppelketten zu verwenden, obwohl man als erfahrener Feldbahner weiss, wie oft und abrupt diese brechen können (ist ja logisch: bei jedem Anfahren und Anhalten gibt's Schläge drauf, die bei geschmiedeten Metallen irgendwann zu Sprödbrüchen führen). Dafür hätten wir unsere Fahrzeuge mit zig Lampen ausrüsten müssen, weil wir auf einer (abgesperren!!) Strasse gefahren wären. Echt zum Lachen war dann die Diskutiererei, ob unsere Feldbahn wegen Strassenbenutzung nach BOStrab abgenommen werden muss, da kam ich mir wirklich vor wie in einer Komödie... Das Beste kommt aber noch: seit ca 15 Jahren haben wir bei unseren bislang über 20 Festbahnen immer nur 2 Verschraubungen pro Laschenpaar verwendet (also 4 Schrauben pro Stoss), und noch nie ist was passiert! Wir kontrollieren die Gleisanlage ca 1x/Halbtag, und das reicht völlig; ob wohl auch jede richtige Feldbahn so oft ihre Gleisanlage kontrolliert ... ? Bei besagter Festbahn hätten wir das zwar auch tun dürfen, nämlich zur Vereinfachung nur 2 anstatt 4 Verschraubungen pro Laschenpaar, aber wie hätten dafür alle 30 Minuten (!) eine Streckenprüfbegehung (mit Nachweis) machen müssen. Dann hätten wir unsere Bahn sowohl zu Hause als auch vor Ort, nämlich die provisorische Gleisanlage, prüfen lassen müssen, was damals mit etwa 2000 Euro zu Buche geschlagen hätte.

Vielleicht hatten wir das Pech, richtige Bürokraten erwischt zu haben, mag sein. Und ich finde es durchaus berechtigt, gewisse Sicherheitsvorschriften durch zu setzen. Ich habe aber seither relativ starke Vorbehalte gegen übertriebene Prüf- und Kontrollapparate, die dann, wie Beispiele zeigen, mitunter höchst fragwürdig und praxisfremd sind, und keinen echten Mehrwert für die Sicherheit bringen.
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BeitragThema: Re: Brigadewagen   Fr 09 Jan 2009, 10:24

Mahlzeit!

Mahl abgesehen davon, daß Hans-Christian uns noch nicht sagen konnte unter welchem rechtlichen Status die Bahn fahren soll würde ich folgende Punkte zu bedenken geben:

1. Sofern keine Forderung seitens der Aufsichtsbehörde besteht, irgendwelche Normen einzuhalten, sollte man sich selbst ein Regelwerk auferlegen, daß die wichtigsten Sachen regelt. Dazu gehören u.a. Maße der Gleisanlage und des Oberbaus, Spurerweiterung, zulässige Abweichungen, Kontrolle, Verantwortlichkeiten. Gleiches gilt auch für die Radsätze.

Wenn man darauf angewiesen ist, den Segen einer solchen Aufsicht zu erhalten, bringt es im Allgemeinen wenig sich über deren eventuelle Unwissenheit aufzuregen! Je mehr man an Festlegungen und Unterlagen selbst vorzuweisen hat, desto weniger offene Fragen bleiben, die dann durch den zuständigen Beamten durch teils zweifelhafte Festlegungen beantwortet werden müssen.

Die Behördenmitarbeiter müssen sich schließlich auch absichern, mit ihrer Unterschrift übernehmen sie die Verantwortung für den ordnungsgemäßen Zustand der Anlage. Daher ist auch das Verfassen einer Art Dienstordnung für den öffendlichen Betrieb sinnvoll usw.

2. Wirklich neugebaute Fahrzeuge sind nach heutigem Stand und den anerkannten Regeln der Technik zu fertigen. Das erleichtert eine Zulassung ungemein. Dazu gehört auch eine ordentliche Dokumentation, Zeichnungen, Berechnungen, evtl. Materialzeugnisse. Ein zugelassener Schweißer mit den entsprechenden Befähigungsnachweisen ist sicherlich auch von Vorteil.

3. Feldbahnen sind heute abgesehen von den zahlreichen Museumsbahnen fast ausegstorben, dementsprechend fehlt auch bei den zuständigen Behörden oftmas Fachwissen und Regelwerk. Das bekanntermaßen träge Rechtswesen hat darauf noch nicht reagiert, die Regelungen sind sofern überhaupt vorhanden von Bundesland zu Bundesland äußerst unterschiedlich.

Gezwungener Maßen muß daher der Betreiber einer Anlage mehr Verantwortung übernehmen und Festlegungen treffen. Es ist beispielsweise auch möglich frühere Vorschriften und Normen in die eigene Dienstordnung zu übernehmen und sich daran zu orientieren. Die Aufsichtsbehörden tendieren mehr und mehr dazu beratende Funktionen zu übernehmen und die Verantwortung an den Betreiber zu verlagern.

Zusammenfassend läßt sich also sagen, je mehr man der Aufsichtsbehörde vorweisen kann, desto weniger gibt es am Ende Ärger.

Gruß Sven
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BeitragThema: Re: Brigadewagen   Fr 09 Jan 2009, 12:03

Liebe Freunde,
schon mal vielen Dank für die anregenden Infos und Erfahrungen. Wir werden das erst einmal sacken lassen. Auf jeden Fall werde ich schon einmal eine Art Baubuch anlegen, in dem die wichtigsten Daten drinstehen, damit den Behörden etwas vorzuweisen ist. Die Spur der Anlage wird 600 mm, der Bri9gadewagen soll auf zwei Lorenfahrgestellen aufgebaut werden. Auf die Fahrgestelle werden Drehkränze aufgebolzt, auf die dann wiederum das Gestell für dien Aufbau verbolzt wird. So ist zumindest unser bisheriger Plan. Eine Lorengestell haben wir schon so bearbeitet, nächste Woche mach ich mal ein Foto und stell es ein.

MfG

Hans-Christian
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BeitragThema: Re: Brigadewagen   Fr 09 Jan 2009, 12:27

Mahlzeit Hans-Christian,

bei klassischen Drehkränzen gilt zu bedenken, daß sie sehr starr sind und daher die durch die Gleislage bedingten Verwindungen auf den Rahmen verlagern. Bei leichten Wagen kommt es dadurch schnell zu Entgleisungen, da die Eigenmasse nicht genügend Kräfte zur Verwindung des Rahmens erzeugt.

Besser ist es den Rahmen über Rollen auf den Drehgestellen abzustützen, damit eine ausreichende Bewegungsfreiheit herrscht. Den Drehzapfen sollte man entsprechend mit Spiel ausstatten, entweder als sog. Schußnagel oder Kugelzapfen.

Bei Interesse kann ich auch noch ein paar Bilder dazu einstellen.

Gruß Sven
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BeitragThema: Re: Brigadewagen   Fr 09 Jan 2009, 14:08

Stell mal n paar Bilder rein, bei meinem motorgetriebenen Drehgestellwagen Habe ich das Drehwerk mit wenig Spiel ausgestattet und dafür die Brücke zwischen den Drehgestellen konstruktiv so gestaltet, dass diese die Verwindung aufnimmt und die erste Probefahrt mit ner Schiebelok hat gezeigt, dass es keine Probleme gibt, natürlich werd ich da keine 4t zuladung drauf hauen, deswegen ist die Brücke auch ohne Unterzug oder ähnlichem.




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Markus Brunner
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BeitragThema: Re: Brigadewagen   Fr 09 Jan 2009, 16:32

Die Tipps von Maschinist und Rassi kann ich voll empfehlen, wir haben 5 Drehgestellwagen so gebaut, die seither sehr entgleisungssicher fahren. Drehkränze wie z Bsp bei Deichsel von Landwirtschaftsanhängern sind viel zu starr. Wir haben zudem die Achslager einzeln gefedert, was den Fahrkomfort sehr erhöht und zudem die Schläge auf Gleis und Wagen erheblich mindert.
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ZG
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BeitragThema: Re: Brigadewagen   So 11 Jan 2009, 18:45

Hier noch ein "Nachwurf" von unserem zweiten "Moorbrigadewagen".

Gruß Torsten


_________________
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Gast



BeitragThema: Re: Brigadewagen   Mi 14 Jan 2009, 09:10

Hallo und guten Morgen,
Ich habe mein Glück nochmal versucht und hoffe dass die Bilder nun ratsächlich in diesem beitrag erscheinen. Ihr könnt das Lorengestell mit dem angeboltzten Drehkranz erkennen. Die Drehkränze stammen von alten Tiefladern der früheren Textilfabrik NINO AG. Leider ist es Herrn Pasternak vom LAN e.V. bis jetzt nicht gelungen eine zweites Lorenfahrgestell zu organisieren. Die Achsen sind übrigens gerade in der Schlosserei und werden aufgearbeitet.

MfG

Hans-Christian Rieck
JWS Nordhorn


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Gast
Gast



BeitragThema: Re: Brigadewagen   Mi 14 Jan 2009, 09:19

Hallo,
wie Ihr seht hab ich wieder irgendwas falsch gemacht. Aber wenn Ihr auf die Icons klickt, dann tauchen die Bilder dann doch auf. Wenn ich lang genung in diesem Forum bin, werd ich das mit den Bildern wohl hinkriegen.

MfG

HC Rieck
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