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Name : Sven S.
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Aufarbeitung der Jung Hilax 8293/1938 bei der Waldeisenbahn Muskau  - Seite 30 Empty Re: Aufarbeitung der Jung Hilax 8293/1938 bei der Waldeisenbahn Muskau

am Do 02 Jul 2020, 01:37
Mahlzeit!

Der Ventilregler ist nun vollständig zerlegt, vermutlich das erste Mal seit über 50 Jahren! Zwar ist viel Verschleiß vorhanden, jedoch sind keine größeren Schäden zu Tage getreten. Die Einzelteile werden nun nach und nach gereinigt und aufgearbeitet. Bis zur Festwoche 125 Jahre Waldeisenbahn Muskau im September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
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Der abgeschraubte Reglergehäusedeckel gibt den Blick frei auf die innenliegende Mechanik. Diese besteht aus der Reglerwelle mit einem kurzen Hebel, in dessen Bohrung ein Übertragungsbolzen mit Querbohrung sitzt. Ein Ventilstößel überträgt die Bewegung auf das Entlastungs- und Hauptventil weiter. Die Welle ist in Rotgussbuchsen gelagert, von denen die auf der linken Seite eingepresst und die auf der rechten Seite durch eine Halbrundkopfschraube mit Schlitz gesichert ist.

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In dieser Schnittzeichnungen sind die Einzelteile gut zu erkennen:
5 Reglerdeckeldichtung
6 Hauptventil
7 Entlastungsventil
8 Passschreibe
9 Sicherungsmutter
10 Sicherungsstift
11 Ventilstößel
12 Überwurfmutter
13 Sicherungsschraube
14 Hebel
15 Reglerwelle
16 Kugeldruckscheibe
17 Kronenmutter
18 Sicherungsstift

Der außenliegene Ventilregler ist eine Eigenentwicklung von JUNG gewesen und löste Mitte ab 1936 (ab Fabriknummer 6230) die bis dahin in den JUNG-Feldbahnloks verbauten Flachschieberregler ab, nachdem man den die Neukonstruktion bereits 1935 bei den letzten Hilax-Lokomotiven der alten Ausführung erfolgreich erprobt hatte.

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Die Mutter auf dem Entlastungsventilstößel ist festgerostet. Der querliegende Bolzen im Reglerwellenhebel hat mehr als 1 mm Spiel. Der Hebel ist zudem auf der Welle festgerostet.
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Die Reglerwelle ließ sich mit Handwerkzeugen nicht ausbauen. Deshalb wurde der Regler in die Hydraulikpresse eingespannt.
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Der Hebel wurde mit Stahlkeilen unterlegt, um die Welle auspressen zu können.
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Auch bei 6t Pressdruck war noch keine Bewegung zu erreichen. Um Beschädigungen zu vermeiden, war es nun Zeit für Plan B.
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Während die Reglerwelle weiterhin unter Spannung blieb wurde der Daumen mit dem Brenner gleichmäßig erwärmt. So ließ sich am Manometer ablesen, wann die Welle sich zu lösen begann.
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Die ausgebaute Reglerwelle weist starke Korrosion auf, die eine Aufarbeitung nicht mehr sinnvoll erscheinen lässt.
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Nun konnten die restlichen Teile ausgebaut werden.
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Das Hauptventil ließ sich problemlos aus der Entlastungskammer ziehen, das Spiel zwischen beiden Teilen war erheblich größer als es sein darf.

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Das ausgebaute Hauptventil besteht zu meiner Überraschung aus Rotguss und nicht wie erwartet aus Grauguss.

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Der Übertragungsbolzen hat mehr als 1 mm Luft in der Bohrung.
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Der Hauptventilkörper weist erheblichen Verschleiß auf. Die Dichtfläche ist uneben und vernarbt, die Führungsflächen wurden mehrfach abgedreht und haben 2 mm Spiel in der Entlastungskammer, was etwa dem 10fachen des Urmaßes entspricht.
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Für die weitere Zerlegung des Hauptventils musste ein Sicherungsstift aus Messing ausgebohrt werden, der fest in der Sechskantmutter auf dem Ventilstößel saß.

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Die Mutter selbst war festgerostet und konnte erst nach dem Anwärmen mit dem Brenner gelöst werden.
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Das Entlastungsventil mit seinen drei Führungsflächen ist insgesamt in gutem Zustand, das Spiel im Hauptventil beträgt jedoch auch rund 1 mm, viel zu viel.
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Auf dem Entlastungsventil sitzt eine Überwurfmutter, die den Ventilstößel hält. Sie war ursprünglich mit einer kleinen Schraube gegen Verdrehen gesichert, die in unserem Fall durch einen Messingstift ersetzt wurde.

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Nach dem Austreiben des Stiftes konnte das Entlastungsventil aus der Mutter geschraubt werden.
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Zurück im Hauptventil wird das reichliche Spiel des Entlastungsventils deutlich.
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Entlastungsventil und Ventilsitz.
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Das Hauptventil weist Spuren früherer Reparaturen durch Auflöten auf.

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Das Entlastungsventil mit der demontierten Überwurfmutter.

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Beide Teile sind in einem vergleichsweise guten Zustand.

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Die innenliegenden Teile des Reglers auf einen Blick. In einigen Wochen werden wird das Bild mit den aufgearbeiteten Teilen wiederholen können.
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Am Hauptventil muss umfangreich Material aufgetragen werden, um die ursprünglichen Abmessungen und Spiele wiederherzustellen. Der untere Führungsring besaß ursprünglich 3 Dichtungsnuten, die durch mehrmaliges Nacharbeiten vollständig verschwunden sind.

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Der Entlastungsventilsitz ist bereits einmal ausgebuchst worden und weißt zahlreiche Lunker auf. Im Sinne einer langfristigen soliden Aufarbeitung wird er erneuert.

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Ein Blick in das Reglergehäuse. Der Gesamtzustand ist gut, es sind keine größeren Schäden erkennbar.

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Die Entlastungskammer und der Dichtsitz für das Hauptventils zeigen oberflächliche Korrosion, die es durch mechanische Bearbeitung zu beseitigen gilt.

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Die Reglerwelle wird wegen der extremen Korrosion insbesondere im Bereich der Stopfbuchse erneuert werden müssen.

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Die Oberfläche ist hier völlig vernarbt und der Durchmesser bereits erheblich verringert.

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Der Vierkant und der linke Lagerzapfen zeigen ebenfalls Korrosion.
Alles in Allem bietet der Zustand der einzelnen Teile reichlich Arbeit für die nächsten Wochen. Beim Reglerghäuse werde ich auch aufgrund der Abmessungen an die Arbeitsraumgrenzen meiner Maschinen stoßen und mir etwas einfallen lassen müssen.

Soweit für heute und nochmal ganz herzlichen Dank für die Unterstützer und Spender des Projektes.

Gruß Sven

KGB-Feldbahn, Krohny, Feldbahner-Nicklheim, Martin Schiffmann, AFA, deutzl, Spielplatzlok und mögen diesen Beitrag

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Aufarbeitung der Jung Hilax 8293/1938 bei der Waldeisenbahn Muskau  - Seite 30 Empty Re: Aufarbeitung der Jung Hilax 8293/1938 bei der Waldeisenbahn Muskau

am Mi 26 Aug 2020, 00:32
​Mahlzeit!

Im Folgenden geht es um die Aufarbeitung des Reglers in den letzten Wochen.

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Die Bohrung des Hauptventils war ein wenig mit Kesselstein verkrustet und wurde mit einem einfache Honwerkzeug gereinigt.
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Mittels Innenmeßgerät wird die genaue Bohrungsabmessung ermittelt und die Fertigmaße für den noch aufzuarbeitenden Ventilkörper bestimmt.

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Die dafür notwendigen Rotgussrohrstücken konnten nun beschafft werden. Allein dafür sind rund 90€ an Materialkosten notwendig.
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Am Boden der Entlastungskammer sollte sich gemäß der Zeichnung eine 4 mm Bohrung zur Entwässerung befinden. Ob diese nur zugesetzt oder schlichtweg vergessen war, ließ sich nicht erkennen.

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Da die Bohrung für die Funktion unerlässlich ist, habe ich sie mit dem längsten 4 mm-Bohrer, den ich finden konnte, nachgebohrt. Die Schwierigkeit dabei war die tief im Gehäuse liegende Position, die keinen direkten Sichtkontakt zulässt.

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Blick durch den Ausströmstutzen auf die Entlastungskammer von außen. Der Bohrer hat soeben die Wandung durchbrochen, gefühlsmäßig war die Bohrung nur zugesetzt.

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Die Bohrung von der Entlastungskammer aus gesehen. Sie sorgt nicht nur für das Abfließen des Kondensates, sondern ermöglicht bei gutlaufenden Maschinen sogar das Verfahren der Lok nur mit geöffnetem Enlastungsventils.

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Auch für die Reglerwelle musste neues Material beschafft werden. Als Werkstoff wurde vorvergüteter Edelstahl der Güte 1.4021 (X20Cr13) beschafft, der nicht nur eine gute Beständigkeit gegen Korrosion besitzt, sondern auch wesentlich besser zerspanbar ist, als beispielsweise 1.4301 (X5CrNi18-10, auch als V2A bezeichnet).

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Mit dem Werkstoff habe ich bislang noch nicht gearbeitet, nach ein wenig Probieren hatte ich die richtigen Schnittwerte für eine gute Oberfläche ermittelt.

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Die erste Seite ist fertig, nun muss nur noch der Lagerzapfen auf der anderen Seite gedreht werden.

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Der Vergleich zeigt, dass die alte, irgendwannn einmal nachgefertigte Welle ein wenig kürzer war, als in der Zeichnung, vielleicht um Material zu sparen?

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Der Vierkant muss noch gefräst werden.
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Die Welle im zukünftigen Arbeitsplatz.

Soweit für heute. Die Lok wird beim Jubiläumswochenende 125 Jahre Waldeisenbahn vom 11.-13.September ausgestellt, der Regler soll bis dahin fertiggestellt sein.

Gruß Sven

Krohny, Marian Sommer, deutzl, Spielplatzlok, AFKB, VolkerS., Hespertalbahn und mögen diesen Beitrag

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am Mi 26 Aug 2020, 07:48
Mahlzeit!

Nun geht es weiter mit der Reglerwelle:

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Das Fräsen der Vierkantflächen geschieht auf meiner Malick&Walkows Universalfräsmaschine F1RE, Baujahr 1955. Das angeschraubte Rohrstück links im Bild dient als Anschlag für die Welle um die Vierkantflächen mit gleicher Länge herstellen zu können.

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Die Welle ist mit einem V-Prisma im Schraubstock geklemmt, das rechte Ende ist mit einem verstellbaren Bock unterbaut, um Rattermarken zu vermeiden.

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Die Keilnut für die Befestigung des Reglerwellenhebels wird gefräst.

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Alte und neue Welle im Vergleich. Warum das Altteil, das sicherlich schon eine Ersatzfertigung gewesen ist, abweichend von der Zeichnung kürzer ausgeführt wurde, ist nicht bekannt.

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Der Vierkant wurde wie üblich mit der Fabriknummer der Lok gekennzeichnet.

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Der Innenvierkant des kurzen Reglerhebels war nicht rechtwinklig und wurde mit der Feile nachgearbeitet. Den Aufwand den Stoßkopf auf die Fräsmaschine zu bauen und danach den Vertikalkopf wieder einmessen zu müssen wollte ich mir sparen.

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Die letzte verbliebene Rotgussbuchse im Reglergehäuse ließ sich nicht auspressen und wurde deshalb warmgemacht.

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Durch das Erwärmen dehnt sich die Buchse aufgrund ihres hohen thermischen Ausdehnungskoeffizienten bis in den Bereich der plastischen Verformung aus und schrumpft beim Abkühlen bis unter den ursprünglichen Durchmesser zusammen. Danach ließ sie sich mit Durchschlag und Hammer recht leicht austreiben.

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Sowohl die Sitze der Buchsen, als auch die Stopfbuchsbohrung müssen aufgerieben werden. Die passenden Reibahlen mussten auch erst beschafft werden.

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Zum Schluss erfolgte noch das Auspressen der Stopfbuchse aus der Stopfbuchsbrille der Reglerwelle. Damit sind alle Demontagearbeiten am Regler erledigt.

Im nächsten Bericht befassen wir uns dann wieder mit Aufarbeitung und Neufertigung von Einzelteilen.

Gruß Sven

KGB-Feldbahn, uhlenhooker, Krohny, Feldbahner-Nicklheim, AFA, deutzl, Spielplatzlok und mögen diesen Beitrag

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