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 Feldbahnnetz Zossen-Wünsdorf

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BeitragThema: Feldbahnnetz Zossen-Wünsdorf   Fr 08 März 2013, 11:07

Hallo
Ich bin neu hier bei Euch, allerdings nicht als ein Feldbahnexperte, sondern mehr als ein fragender Laie, der offenbar die Nadel im Heuhaufen sucht.

Wer weiß etwas über das einstige Feldbahnnetz am Militärstandort Zossen/Wünsdorf ?

Dort gibt es seit 1993 einen Förderverein Garnisonsmuseum Wünsdorf e.V., der die fast hundertjährige Garnisonsgeschichte des einstmals wohl bedeutendsten Militärstandortes in Deutschland erforscht. Bei der Auswertung diverser topographischer Karten und Luftbilder haben wir die Struktur eines Feldbahnnetzes (600 mm) erkannt, das offenbar bis 1945 in Betrieb war, im Laufe der Jahrzehnte aber mehrmals umgebaut wurde. An einer dieser Stellen haben wir gebuddelt und tatsächlich ein altes Gleisstück gefunden und geborgen. Heute mit einer Kipplore (Leihgabe) im o.g. Museum ausgestellt.

Unsere bisherigen Recherchen lassen folgende Schlüsse zu:

1. Das Feldbahnnetz Zossen/Wünsdorf hat zur Übungs- und Ausbildungsbahn der preußischen Eisenbahntruppen in Klausdorf-Sperenberg keinerlei Beziehung bzw. Verbindung.

2. Eine erste Linie ist bereits um 1900 nachweisbar, die zwischen den Zehrensdorfer Ziegeleien und dem Wünsdorfer Bahnhof bestand und dem Baustofftransport diente.

3. Als 1910 der Bau des Truppenlagers Zossen begann, entstand von o.g. Linie eine Stichbahn nach Norden, die ebenfalls dem Baustofftransport diente. Von da an waren die Ziegeleien im Besitz des Militärfiskus. Nach Fertigstellung des Truppenlagers wurde die Linie bis zum Scheibenhof der Kommandantur des Truppenübungsplatzes Zossen verlängert.

4. Mit der Errichtung eines großen Kriegsgefangenenlagers (Halbmondlager) 1914 an der unter 2. genannten Linie wurde dort ein Haltepunkt eingerichtet und Stichbahnen zur Kaserne der Infanterieschießschule und 1916 zur neu gebauten Militärturnanstalt (später Heeressportschule) wahrscheinlich zum Heizkohletransport gebaut.

5. Die ab 1934 einsetzenden Bauarbeiten zur Errichtung von drei großen Panzerkasernen hatten eine Umgestaltung des Netzes zur Folge, sodass die Baustellen umfahren wurden. Die für den Betrieb hinfällig gewordenen bisherigen Linienabschnitte wurden abgebaut.

6. Ab 1937 wurde in Wünsdorf ein großes Heeres-Verpflegungsamt errichtet, das einen Bahnschluss an die Fernbahnlinie Berlin - Dresden mit mehreren Gütergleisen erhielt. In dem Zusammenhang wurde der bisherige Umschlagbahnhof dorthin verlegt und die damalige Reichsstraße Zossen - Baruth untertunnelt.

Unsere Fragen:
- Wer könnten in den verschiedenen Abschnitten die Auftraggeber und Auftragnehmer gewesen sein ?
- Was könnte man außer Baustoffen und Heizkohle noch transportiert haben ?
- Welche Typen von Loks und Wagen sind möglicherweise auf dem Feldbahnnetz Zossen/Wünsdorf gefahren ?

In der Hoffnung, das dieser oder jener seine Meinung äußert
Gruß Hans-Georg
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Berghoff
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BeitragThema: Re: Feldbahnnetz Zossen-Wünsdorf   Sa 09 März 2013, 20:36

Hallo Hans-Georg,

für diese Strecken hatte ich mich schon interessiert. Viel mehr als aus den Karten ersichtlich ist, ist mir aber nicht bekannt.

Zur Ziegelei folgendes:
Die Reichsfiskalische Ziegelei Wühnsdorf war zumindest in den 1920er und frühen 1930er Jahren vom Ziegelmeister Fritz Quappe gepachtet.
Anfang der 1930er Jahre fragte die Berliner Feldbahnfirma Bräunig & Stahlberg dort an, ob nicht Interesse besteht, den Pferdebetrieb auf der Feldbahn auf Lokomotivbetrieb umzustellen. Als Antwort wurde mitgeteilt, dass die Feldbahn nur noch selten genutzt wird, da bereits viele Kunden Ihre Ziegel mit dem LKW abholen. An einer Lokomotive bestand also kein Interesse. Herr Quappe hat später im Zuge der "Arisierung" die frühere Ziegelei Hirschfeld in Zehdenick übernommen.

Ich vermute aber, dass die Strecken im militärischen Bereich (Kasernen, Schießplatz usw.) gesondert, vom Militär, betrieben wurden. Dort halte ich zumindest zeitweisen Lokomotivbetrieb für möglich bzw. wahrscheinlich.

Mit Grüßen

Joachim
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BeitragThema: Re: Feldbahnnetz Zossen-Wünsdorf   So 10 März 2013, 19:20

Hallo Joachim

Vielen Dank für Deine Information. Noch tappen wir ziemlich im Dunklen. Eines ist aber sicher: Mit der Einrichtung des Truppenübungsplatzes Zossen und dem Bau des dortigen Truppenlagers ging der gesamte Ort Zehrensdorf 1910 in den Besitz des Militärfiskus über. Die Einwohner mußten ihr Hab und Gut aufgeben und den Ort nach entsprechender Abfindung verlassen. Auch die Ziegeleien von Zehrensdorf gingen in den Besitz des Militärs über. Allerdings wurden sie neu verpachtet und damit die Baustoffversorgung für die große Baustelle des Truppenlagers gesichert. 1913 wurde die Kaserne der Infanterieschießschule und 1916 das Gebäudeensemble der Militärturnanstalt fertig gestellt. Da beide Objekte mit Öfen geheizt wurden, erhielten beide einen Gleisanschluss an die Feldbahnstrecke Zehrensdorf - Wünsdorf. Das gleiche betraf das 1914 errichtete Halbmondlager (Kriegsgefangenenlager für Muslime). Daraus muß man schließen, das die genannte Feldbahnstrecke zu der Zeit nicht mehr im Privatbesitz war.

Grüße
Hans-Georg
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Kuno
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BeitragThema: Re: Feldbahnnetz Zossen-Wünsdorf   So 10 März 2013, 20:01

Hallo,

Vielleicht helfen die Auszüge der
"Adressbücher der Ziegeleien, Chamottefabriken und Tongruben Cementwaren-, Kunststein- und Tonwaren-Fabriken etc. sowie der Fabriken und Handlungen einschlägiger Maschinen, Geräte und Bedarfsartikel : nach amtlichen Unterlagen zusammengestellt Leipzig : Eisenschmidt & Schulze"
weiter.

Hier der Auszug vom Adressbuch 1900, Teil Nord




und hier der Auszug vom Adressbuch 1904, Teil Nord



Mit freundlichen Grüßen
Dietmar
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BeitragThema: Re: Feldbahnnetz Zossen-Wünsdorf   Mo 11 März 2013, 10:25

Hallo Dietmar,

Danke für die Informationen zu den Zehrensdorfer Ziegeleien. Die Dampfziegelei Krug wurde lt. einer Annonce im Telltower Kreisblatt vom 1. Juli 1894
um diese Zeit gebaut und in Betrieb genommen. Also könnte man den Bau der Feldbahnstrecke Zehrensdorf - Bahnhof Wünsdorf in etwa dem gleichen Zeitraum zuordnen.
Oder war die Ziegelei Richter möglicherweise schneller, weil eher dort ? Gehe ich richtig in der Annahme, dass man dort mit Pferden getreidelt hat ?

Grüße
Hans-Georg
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Kuno
Lorenschieber


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BeitragThema: Re: Feldbahnnetz Zossen-Wünsdorf   Mo 11 März 2013, 11:44

Hallo Hans-Georg,

ich beschäftige mich leider nicht mit Deiner Gegend.
Ich konnte nur mit den Adressbüchern helfen.

Mit freundlichen Grüßen
Dietmar
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Martin Schiffmann
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BeitragThema: Re: Feldbahnnetz Zossen-Wünsdorf   Do 14 März 2013, 20:50

Hallo Hans-Georg,

ich kenne nicht die Gegend und Geschichte des Militärwesens in und bei Zossen, da ich zu weit weg wohne. Zur Frage des Verwendungszwecks einer Milttärfeldbahn fallen mir noch folgende Möglichkeiten ein, die mir von anderen deutschen Militärgeländen her bekannt sind:

- Transport von Munition vom Mun-Lager zu den Schießständen
- Transport von großen Zielscheiben auf das Schießplatzgelände
- Transport von Verwundeten im 1. WK, wenn diese per 1435mm-Züge "angeliefert" wurden und per Feldbahn in verstreut liegende Lazarettgebäude gebracht wurden.
- Transport von Panzerattrappen und ähnlichem vom Lagerplatz zum eigentlichen Übungsgelände
- Transport von Soldaten von den Unterkunftsgebäuden zu den "Baustellen" im Feld
- Transport von Baumaterial zum Bau von Übungsstellungen oder Transport von Baumaterial für Pioniereinheiten, die damit übungshalber Ingenieur-Bauwerke wie Brücken, Rampen usw. erstellen.

Grüße

Martin

'Grill'
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http://www.werkbahn.de
Gast
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BeitragThema: Re: Feldbahnnetz Zossen-Wünsdorf   Fr 15 März 2013, 09:21

Hallo Martin

vielen Dank für Deine zusätzlichen Informationen

Grüße Hans-Geortg
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