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 Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332

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gmeinder79
Lorenbremser


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BeitragThema: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mo 18 Apr 2011, 15:12

Hallo Freunde,

es gibt wieder Neues zu berichten. Der aufgearbeitete Regler inklusive Betätigung hat seinen Platz im Kessel gefunden. Alles funktioniert mechanisch einwandfrei.



Das neue Reglergestänge.




Die Reglerstopfbuchse wurde probemontiert. Als „Reglerhebel“ fungiert vorerst noch ein Ringschlüssel.



Die Nietimitationen an der Rauchkammer wurden angebracht. Der Rand an den Nietköpfen wurde absichtlich stehen gelassen und wird später noch verstemmt. Damit entsteht optisch der Eindruck einer echten Nietreihe.




Da der alte Schornstein nach dem Stahlkiesstrahlen bis zu fünf Millimeter tiefe Abzehrungen aufwies, haben wir uns zu einer Neuanfertigung entschieden.



Dazu wurde ein Rohr mit 220 mm Außendurchmesser an einem Ende tulpenförmig aufgeweitet. Der Schornsteinsattel entstand mittels Schmiedefeuer und Amboss aus einem Blechoval und einem Flachstahl, welcher exakt die Form des alten gegossenen Schornsteinsattels erhielten. Anschließend wurden Sattel und Rohr miteinander verschweißt und die Schweißnähte sauber verputzt.




Die Krempe des Schornsteins entstand als Drehteil und wurde ebenfalls mit dem Rohr verschweisst. Die Verstemmung am Übergang fehlt noch. Nach dem Stahlkiesstrahlen und Lackieren dürfte der Nachbau optisch vom Original kaum noch zu unterscheiden sein.




Für die Kesselisolation wurde der vordere Abschlussring zur Rauchkammer neu hergestellt. Dieser Schritt wäre zwar erst später an der Reihe, allerdings ist es nach Anbringung der Nieten an der Rauchkammer mühsam, den Ring für allfällige Anpassungen mehrmals über die Nietköpfe hinweg an den Kessel zu montieren.




Mit Schornstein wirkt der Kessel schon ein ganzes Stück kompletter. Nächste Etappe sind Aufarbeitung / Einbau des Blasrohrkopfes in die Rauchkammer und Neuanfertigung der Rauchkammertür.

Viele Grüße

Daniel
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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mo 18 Apr 2011, 16:36

Mahlzeit Daniel,

das sind ja großartige Bilder, die ein beeindruckendes handwerkliches Können dokumentieren. Die Nietimmitation ist um Größenordnungen besser als die heute weit verbreiteten Klebenieten und Heftschweißungen.

Gruß Sven
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aschebahn
Lorenbremser


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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mo 18 Apr 2011, 16:43

Hallo Daniel,

wie bringt man Sprachlosigkeit schriftlich zum Ausdruck?

Sehr schön, ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung. Das hätte ich angesichts des Spielobjekts in Hoywoy niemals gedacht.

Gruß Aschebahn
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Arttu aus Finnland
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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mi 20 Apr 2011, 09:42

Sehr beeindruckend, saubere Arbeit!
Es können nicht sehr viele feldspurige Hanomag-Loks überlebt haben, gut dass eine in Zukunft wieder fahren wird. Bei einer kleinen finnischen Museumsbahn steht die Fabr Nr 8423/1920 herum, hoffentlich wird auch sie eines Tages dampfen und vom Können der hannoveraner Maschinenbauer Zeugnis ablegen. Macht so weiter!


Arttu aus Finnland
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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mi 20 Apr 2011, 10:14

Mahlzeit Arttu,

gibt es von der Hanomag in Nykarleby Fotos?

Gruß Sven
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Arttu aus Finnland
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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mi 20 Apr 2011, 13:48

Hallo, Sven

habe leider keine Bilder von den Lok, war selbst nur einmal in Nykarleby (oder genauer: am Bahnhof Kovjoki wo der Verein ihr Domizil hat) und habe die Reste der Lok in der dunklen Schuppen nicht geknipst. Sicherlich wird es da jemanden geben, der mit Bildern weiterhelfen kann. "Nykarleby jernväg" googeln und nach Kontaktinfo suchen. Die haben da übrigens auch das Wrack von einer Holzgas-Windhoff, die wohl eine der letzten gelieferten Windhoff-Loks vor Kriegsende wird gewesen sein.

Ich kenne da einen EF aus der Gegend und kann bei Gelegenheit nach Bildern fragen. Die Hanomag stand jahrzehntelang bei einem Technikmuseum im Freien, wurde dann plötzlich ihrer Aufbauten befreit, um wohl äusserlich restauriert zu werden, dann hat man die Sache wieder vergessen und die Lok anschliessend nach Nykarleby abgegeben.

Arttu
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Gast
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BeitragThema: Frage zu Ultraschall Untersuchung Kessel   Sa 09 Jul 2011, 00:51

Daniel,
Da hat ich noch eine Frage, man sieht im Bild den Ultraschall Kesselwandstahldichte Messpunkte. Welchen Abstand hat man genommen? In den "Form 4 " in den USA wird 30cm Abstand Netze auf Kessel abgetastet. Aber eine keine Feldbahn Kessel muss man mit weniger Abstand gemessen, oder? Wird die Messpunkte Werte in eine Program eingetragen und dann eine neue Kesselstarke berechnet werden oder ist es einfach Sicht Kontrolle für Tiefstelle (Pitting) und Wandstärke als sicherheit genommen?
Thor
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gmeinder79 schrieb:
Hallo zusammen,

es gibt wieder Neues zu berichten. Alle Teile des Reglers sind einbaufertig. Wegen des schlechten Zustandes wurde das Reglergestänge größtenteils neu angefertigt. Nachfolgend einige Bilder vom aktuellen Stand.




Diese Woche wird der Kessel mit den Innereien bestückt. Dann geht es mit der Herstellung der Nietimitation an der Rauchkammer weiter. Die Zeichnungen für die neue Rauchkammertür sind inzwischen fast fertig. Dies wird dann neben der Aufarbeitung des Dampfverteilers die nächste Etappe sein.

Viele Grüße

Daniel
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gmeinder79
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BeitragThema: Wanddickenmessung am Kessel   Do 22 Dez 2011, 21:17

Hallo Thor,

bitte entschuldige die sehr verspätete Antwort. Die Messpunkte liegen 20 - 25 cm auseinander. An kritischen Stellen, bei denen Pitting zu sehen ist, hat man auch einen noch engeren Abstand der Messpunkte gewählt.
Aus dem Kessel wurde eine Materialprobe entnommen und damit ein Zugversuch sowie ein Kerbschlag - Biegeversuch durchgeführt. Aus diesen beiden Messungen und einer Untersuchung des Metallgefüges im Mikroschliff sowie einer spektroskopischen Untersuchung kann die chemische Zusammensetzung und die Festigkeit des Materials ermittelt werden. Mit diesen Festigkeiten wird eine Berechnung nach TRD durchgeführt, wie groß die minimale Wandstärke bei dem gegebenen Betriebsdruck des Kessels und den erforderlichen Sicherheitsbeiwerten sein muss. Ist die minimal gemessene Wandstärke des Kessels größer als der berechnete Wert, kann die Substanz des Kessels für eine Aufarbeitung verwendet werden.

Viele Grüße

Daniel
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gmeinder79
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BeitragThema: Jahresabschluss   Do 22 Dez 2011, 21:21

Hallo zusammen,

das Jahr ist fast um und es gibt noch Neues zu berichten. Aufgrund hoher Auslastung unserer Kesselschmiede und auch deren Zulieferfirmen ist es in kleinen Schritten weiter gegangen. Die Rauchkammer wurde komplettiert und mit dem aufgearbeiteten Blasrohrkopf bestückt.




Eine gekümpelte Rauchkammertür wurde nach Werksfotos und eigenen Aufmaßen am Original neu konstruiert und gefertigt. Der T – förmige Griff fehlt noch.





Die originalen Scharnierbänder der Tür haben an der Attrappe auf dem Spielplatz überlebt. Sämtliche Aufhängungen an der Rauchkammer wurden dagegen neu gefertigt.




Eine Spezialität von Hanomag war der Verschluss der Rauchkammertür mittels Keilen. Reste dieser Verschlüsse waren noch vorhanden. Die Bolzen für die Keile müssen noch auf die richtige Länge gebracht und mit dem Halter verschweißt werden.




Die Stützringe der Kesselisolation am Langkessel sind fertig und provisorisch montiert.




Ende Oktober sind die aufgearbeiteten Radsätze bei uns eingetroffen. Nach dem Sandstrahlen mussten wir feststellen, dass eine Radscheibe der Treibachse Risse aufwies.





Am Butzen für den Treibzapfen war eine Ecke herausgebrochen, welche man versucht hatte, elektrisch wieder einzukleben…. Zwei Aufarbeitungsvarianten standen zu Auswahl: Die Bohrungen der alten Radscheibe ausbüchsen und hoffen, den Riss erwischt zu haben oder einen neuen Radkörper giessen lassen. Nach einigem Suchen haben wir eine Gießerei dafür gefunden. Hier der Radkörperrohling.




Sechs Monate später war aus dem Rohling, einem neuen Radreifen und dem Rest wieder ein Treibradsatz geworden.






Treib- und Kuppelzapfen sind Neuanfertigungen. Die Lagersitze der Achswellen erfuhren eine notwendige Überarbeitung. Neuprofilierung der Radreifen und Ultraschallprüfung der Achswellen bildeten den Abschluss der Arbeiten.

Nebenbei haben wir noch weiter an der Bremsanlage gewerkelt und ich habe mich konstruktiv mit der Auslegung der Steuerung und den Aufbauten beschäftigt.
Hauptschwerpunkt soll nun die Fertigstellung des Kessels sein. Das originale Gehäuse des Dampfverteilers soll demnächst vom Bohrwerk kommen und mit neuen Innereien bestückt werden.
Dank der großartigen Unterstützung vom Maschinist (Danke Sven!) gibt es zu den Kesselspeiseventilen einen Zeichnungssatz und auch für die Sicherheitsventile existiert bereits eine Idee, wie wir moderne Sicherheitsanforderungen mit altem Aussehen vereinen können. Mehr dazu später.

Heute brachte der Weihnachtsmann aus Dresden schon vorfristig ein Geschenk:




Aus Neu mach Alt. Auch dafür nochmals ein großes Dankeschön an Sven.

Wir Chemnitzer Feldbahner wünschen allen Freunden, Bekannten und Kollegen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Viele Grüße

Daniel
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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mo 16 Jan 2012, 12:47

Mahlzeit!

Während die Arbeiten am Kessel in die Endphase gehen, wird im Hintergrund an der Konstruktion von Bremsanlage, Armaturen und Aufbauten gearbeitet.
Da im Laufe der Spielplatzzeit sämtliche Armaturen, Teile der Bremse und der Steuerung, alle Aufbauten wie Kohle-, Wasserkasten und das originale
Führerhaus entfernt worden waren, gestaltet sich die Rekonstruktion schwierig. Nach derzeitigem Wissensstand sind keine Konstruktionsunterlagen oder vollständige
Lokomotiven gleichen Typs erhalten, somit bilden die Hanomagnachrichten und einige Werkpostkarten sowie Detailfotos erhaltener Maschinen die Grundlagen für die Konstruktion.

Die Konstrukteure stehen nun vor der Herausforderung, die fehlenden Teile und Baugruppen möglichst originalgetreu wiederherzustellen. Bedingt durch die dünne
Quellenlage, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu zeit- und kostenintensiven Fehlschlägen beim stückweisen Nachbau der Baugruppen geführt hätte,
entschlossen wir uns zur Erstellung eines vollständigen CAD-Modells. Damit können Varianten und Änderungen vor der Anfertigung der Teile durchgespielt und
vorgenommen werden, was Überraschungen beim Zusammenbau erheblich reduziert.

Hier nun einige CAD-Grafiken zum Stand der Konstruktion



Die Gesamtansichten vermitteln schon einmal einen Eindruck von der Maschine im Endzustand.







Der Führerstand ist bereits fast fertig "eingerichtet"



Eine kleine Herausvorderung stellen die Rohrleitungen dar, deren kollisionsfreie Konstruktion bisweilen Kopfzerbrechen bereitet.



Die als Doppelpuffer mit mittigem Zughaken ausgeführten Zug- und Stoßeinrichtungen erhalten eine aufsteckbare Pufferplatte,
um auch das problemlose Kuppel mit Fahrzeugen, die über normale Mittelpuffer verfügen, zu ermöglichen. Diese Lösung ist
nach einer historischen Vorlage entstanden.

Gruß Sven
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