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 Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332

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gmeinder79
Lorenbremser


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BeitragThema: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mo Dez 27, 2010 12:08 pm



Hallo zusammen,

ich möchte Euch ab heute über die Aufarbeitung unserer Hanomag – Dampflok Typ Spunterei berichten.



Werkfoto aus den Hanomag - Nachrichten

Kurz zur Geschichte: Gebaut wurde die Maschine unter der Fabriknummer 9332 im Jahr 1923. Die Lieferung erfolgte an den Baumaschinenhändler Thomas Lewald in Berlin. An wen er die Lok verkauft hat, ist nicht belegt. Fakt ist, das sie bis zu ihrer Abstellung 1965 lange Zeit auf der umfangreichen Werkbahn der Splitt- und Schotterwerke Paul Weigand KG in Schwarzkollm im Einsatz war.
1968 übergab der damalige Eigentümer die Lok an die Stadt Hoyerswerda, welche sie äußerlich aufarbeitete und im Rahmen eines Festaktes auf einem Abenteuerspielplatz in einem neu errichteten Wohngebiet aufstellte.
1983 erhielt die Lok durch Mitarbeiter des Bahnbetriebswerkes Hoyerswerda einen neuen Anstrich und neue Aufbauten. In dieser Form verbrachte sie dann ihre letzten Jahre bis zur Bergung 1994.



Kurz vor dem Abtransport nach Chemnitz

Natürlich war es von Anfang an unser Traum, die Lok wieder betriebsfähig zu machen. Weder zeitlich noch finanziell war in der Aufbauphase unseres Museums daran zu denken. Erst ab 2006 ergab sich die Möglichkeit, in stärkerem Umfang an der Lok zu arbeiten. Nach der Zerlegung wurde mit der Aufarbeitung des Rahmens begonnen.



Sandstrahlen des Rahmens, Mai 2007



Viele Längs- und Querverbindungen waren durch starke Abzehrungen unbrauchbar und mussten ersetzt werden.



Nach den Schweißarbeiten wurde der Rahmen komplett lackiert. In diesem Zustand steht er seit 2008 bei uns in der Halle. Die Puffer, Bahnräumer und Teile der Bremse sind ebenfalls bereits fertig.

Parallel dazu wurde der Kessel in Angriff genommen. Nachdem sich die Sparkasse Chemnitz bereit erklärte, die Aufarbeitung finanziell zu unterstützen, wurde der Kessel zu einer Firma im Vogtland gebracht. Nach dem Sandstrahlen, Entnahme und Analyse von Materialproben sowie Wanddicken- und Rissprüfungen stand fest, dass der Kessel aufarbeitungsfähig ist. Gemeinsam mit einem Kesselsachverständigen wurde der Umfang der Arbeiten festgelegt.
Rauchkammer, Rauchkammerrohrwand, Reglerrohr, sämtliche Heizrohre und einige Stehbolzen waren zu ersetzen.
Da zu dem Kessel keinerlei Unterlagen mehr vorhanden waren, erstellte ein Ingenieurbüro zu dem vorhandenen Kessel einen neuen Zeichnungssatz inkl. Zeichnungen der zu erneuernden Teile, welcher vom TÜV geprüft und als Grundlage der Aufarbeitung / Abnahme des Kessels genehmigt wurde.





Kessel nach dem Sandstahlen / Grundieren. Die Materialproben sind bereits genommen.



Blick ins Innere des Kessels nach dem Entfernen der Rauchkammerrohrwand.



Arbeiten am Stehkessel. Die ersten Stehbolzen sind entfernt.



Die neue Rauchkammerrohrwand mit den neuen Heizrohren.

Nach dem Abschluss der groben Arbeiten wurde der Kessel einige Kilometer weiter in eine kleine, aber feine Kesselbaufirma gebracht, welche nun daran ging, die Feinheiten für die Vorbereitung der Druckprobe vorzunehmen. Zunächst wurde der Linsensitz des neuen Reglerrohres eingeschliffen. Anschließend erfolgte eine erste Dichtigkeitsprobe mit Druckluft und Lecktestspray, welche erwartungsgemäß zahlreiche Undichtigkeiten an Nieten und Blechnähten zutage brachte. Was nun folgte, war ein monatelanges Puzzlespiel aus Nieten verstemmen, prüfen, weitere undichte Nieten finden, verstemmen, prüfen…..





Der fertige Kessel mit neuer Rauchkammer.

Am 21.12.2010 war es soweit. Im Beisein des Kesselsachverständigen wurde die Wasserdruckprobe durchgeführt. Sie verlief ohne größere Beanstandungen.



Letzte Vorbereitungen



Füllarmatur



Während der Prüfung.



Beim Stempeln des Kesselschildes.

Nächste Schritte sind nun Aufarbeitung und Montage des Reglers, Aufarbeitung des von der HFD (Danke noch mal!) zur Verfügung gestellten Wasserstandes und optische Angleichung der Rauchkammer an das Original.

Fortsetzung folgt…

Viele Grüße

Daniel








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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mo Dez 27, 2010 3:14 pm

Mahlzeit Daniel,

nochmals Glückwunsch zur bestandenen Wasserdruckprobe, ein schöneres Weihnachtsgeschenk konnte man sich kaum vorstellen. Danke auch für die Möglichkeit an diesem Ereignis teilnehmen zu können. Hier noch ein paar Bilder dazu:



Der Kessel steht in der Werkhalle bereit zum "Abdrücken".



Die Reste der alten Rauchkammer.



Die Überlappung an der Längsnaht im Schnitt.



Die alte Rauchkammerrohrwand.



Teile des Flachschieberreglers warten auf die Aufarbeitung.



Blick in die neue Rauchkammer mit dem Einströmzweigrohr.



Beratung mit dem Sachverständigen.



Hier pumpt der Kunde noch selbst: die Dichtheitsprobe beginnt.



Das Prüfmanometer im Blick.



Der Betriebsdruck ist erreicht.



Befahrung der Feuerbüchse durch den Sachverständigen.



Daniel bei der Dokumentation.



Für die Festigkeitsprüfung wurde der Druck anschließend langsam weiter erhöht.



Der Prüfdruck von 18 bar ist erreicht.



Der sichtbare Wasserstand. Nachdem die HFD das formschöne Schauglas zur Verfügung stellte, konnte ich im vergangenen Frühjahr die passenden Armaturen auftreiben. Ich freue mich nun auf den weiteren Fortgang der Arbeiten an dieser seltenen Maschine.

Gruß Sven
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Frank
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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mo Dez 27, 2010 7:21 pm

Hallo liebe Chemnitzer!

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Meilenstein bei der Aufarbeitung der Lok! Hanomag hat wirklich wunderschöne Loks gebaut und ich drücke Euch die Daumen, dass Euer Exemplar bald wieder wie früher (vor der "Verschönerung" von 1983) aussieht und natürlich auch fährt!!!

Viele Grüße, Frank.
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jimknopf600
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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mo Dez 27, 2010 9:06 pm

Hallo,

Daumen hoch sage ich nur Daumen hoch .Wohl alle die diese Lok kennen sind schon auf weitere Neuigkeiten gespannt.

Zitat: "Hier pumpt der Kunde noch selbst: die Dichtheitsprobe beginnt."...und in feinem Zwirn!

Viele Grüße, Lutze
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aschebahn
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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mi Dez 29, 2010 12:11 am

Glückwunsch!
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deutzl
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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mi Dez 29, 2010 2:26 pm

Einfach nur Klasse!!! Endlich mal eine doch sehr seltene Lok in Aufarbeitung!
Männer macht weiter so.

Grüße Sven K.
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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mi Dez 29, 2010 6:31 pm

Na das ist ja ein wirklich tolles Weihnachtsgeschenk was ihr euch da gemacht habt Daniel! Da kann man euch nur Beglückwünschen. Hoffentlich geht jetzt auch der Rest so gut voran. Der Wasserstand ist natürlich schön. Very Happy Gibts schon nen Plan wann der Kessel zu euch ins Museum kommt?
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BeitragThema: Re: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Mi Dez 29, 2010 9:41 pm

hallo
endlich mal aktuelle bilder der lok ich wollte schon lange mal wissen wie weit ihr da seit
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gmeinder79
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BeitragThema: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   Do Dez 30, 2010 11:17 am

Hallo zusammen,

danke für die Blumen. Ein schöneres Weihnachtsgeschenk kann man sich wahrlich kaum vorstellen Laughing Einen konkreten zeitlichen Plan für das Eintreffen des Kessels in Chemnitz gibt es noch nicht, da wie bereits gesagt noch weitere Arbeiten (Aufarbeitung und Einbau des Reglers, Optische Anpassung der Rauchkammer an das Original) geplant sind. Ende Januar gibt es das nächste Gespräch mit der Kesselbaufirma, bei dem der weitere Verlauf der Arbeiten bestimmt wird.

Viele Grüße

Daniel
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BeitragThema: Restauration Hanomag-Baudampflok FNr. 9332   So Jan 09, 2011 11:33 am

Hallo Freunde der Dampftechnik,

ich habe die überschüssige Energie aus dem Festtagsbraten dazu genutzt, um zwischen Weihnachten und Neujahr mit einigen Abklärungen zur Rekonstruktion des Dampfverteilers zu beginnen. Früher hat dieser bei unserer Hanomag so ausgesehen:



Dampfverteiler auf 80 PS - Hanomag Baudampflok. Im Vordergrund sind die beiden Anstellventile der Injektoren zu sehen. Oben in der Mitte befindet sich der Manometerhahn und links davon halb verdeckt der Anstellhahn für den Hilfsbläser.



Hier noch einmal ein Injektor – Anstellventil im Detail. Da die Ventilverschraubungen, Stopfbuchsen und Überwurfmuttern aus Rotguss waren, sind sie in unserem Fall vermutlich schon in den sechziger Jahren dem Schrotthändler zum Opfer gefallen. Anschließend hat man für die Aufstellung auf dem Spielplatz alle Öffnungen des Dampfverteilergehäuses durch Aufschweißen von Deckeln blind gemacht. Diese Maßnahme hat neben der späteren Entfernung der Kesselverkleidung das Leben des Dampferzeugers für eine neuerliche Inbetriebnahme gerettet. Das Dampfverteilergehäuse sieht nach Entfernen der Deckel nun so aus:



Im Inneren befindet es sich in gutem Zustand. Sämtliche Dichtflächen und Gewinde müssen nachgearbeitet werden. Besonders die großen Gewinde der Anstellventileinsätze sehen schlecht aus. Nachdem mir der Maschinist (Nochmals herzlichen Dank!) Unterlagen über das Innenleben eines ähnlichen Dampfverteilers zur Verfügung gestellt hat, habe ich mich anhand der gefundenen Maße und obiger Fotos daran gemacht, die Ventileinsätze neu zu konstruieren. Hier seht Ihr das erste Ergebnis:



Ich habe anfangs etwas gegrübelt, warum der Ventilkegel mit einem ringförmigen Dampfkanal und drei Bohrungen ausgeführt ist. Dann habe ich ausgerechnet, dass bei einem Kesseldruck von 12 bar auf dem Ventilkegel eine Kraft von fast 600 N lastet, was selbst mit der Übersetzung des Bedienhebels noch eine recht große Betätigungskraft erfordern würde. Deshalb kommt auch hier das Prinzip von Haupt- und Hilfsventil zum Einsatz, damit der Heizer beim Anstellen der Injektoren keinen Muskelkater bekommt. Laughing

Nächster Schritt ist nun die Zeichnungserstellung zu den Einzelteilen.

Hat jemand unter Euch noch zufällig die alte DIN 473 Hahngriffe mit Holzheft von 1936 zu Hause und könnte mir mit einem Scan derselben helfen? Dann könnte ich meine Konstruktion noch mit den richtigen Griffen vervollständigen.

Viele Grüße vom derzeit vernebelten Bodensee…

Daniel
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