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 Palmen, Zucker und Dampf - PG Sindanglaut im Juni 2003 - Teil 1

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BeitragThema: Palmen, Zucker und Dampf - PG Sindanglaut im Juni 2003 - Teil 1   Mi 08 Apr 2009, 23:38

Hallo,

ich muss doch mal langsam mit meinem Vorhaben anfangen, und meine Serie über die Zuckerbähnchen Javas hier einzustellen. Und womit fange ich an? Natürlich mit dem ältesten Beitrag der Serie mit Fotos aus dem Juni 2003. Es war mein allererster Besuch in so einer Zuckerfabrik, und die Fotos repräsentieren meine fotografische Frühzeit, die Bilder entstanden mit einer analogen Leica Z2X Kompaktkamera.

Die Bilder stammen aus der Zuckerfabrik Sindanglaut bei Cirebon an der Nord-Westgrenze Mitteljavas in Indonesien. Sindanglaut liegt etwas östlich von Cirebon zwischen den Hauptstrecken von Jakarta/Cirebon nach Semarang/Surabaya und Yogjakarta.



In vielen javanischen Zuckerfabriken findet in der Zuckerrohrsaison, etwa Ende Mai bis etwa Mitte Oktober, von den meisten Eisenbahnfans völlig unbeachtet noch richtiger 'Plandampf' statt, sowohl mobil als auch stationär. Allerdings ist die Tendenz leider jährlich deutlich rückläufig, jedes Jahr machen einige Fabriken zu oder stellen auf Diesel um, denn der Weltmarktpreis für Zucker sinkt ständig, die Produktion in Indonesien wird zu teuer, und die Wartung der aufwändig konstruierten Feldbahndampfloks (Klien-Lindner, Mallet und Luttermöllers sind in den verschiedenen Fabriken noch alltäglich) ist wohl zu kostspielig. Statt dessen wird mehr und mehr Reis angebaut, denn die Bevölkerung wächst explosionsartig. Wer sich generell darüber informieren möchte, welche Lökchen auf Javas Zuckerrohrplantagen unterwegs sind/waren, dem sei Uwe Bergmanns Buch "Sweet Steam" und diese Liste und überhaupt die ganze Java-Steam-Webseite von Rob Dickinson empfohlen: http://dialspace.dial.pipex.com/javatour/trains/javalist.htm

Vor meinem damaligen Aufenthalt in Indonesien bei Schwiegereltern lernte ich übers Internet TC, einen Eisenbahnfan in Bandung, der Heimatstadt meiner Frau, kennen. Ich stellte schnell fest, dass er ein ausgesprochener Kenner der dortigen Eisenbahn und sehr netter Kerl ist, und so war es nur konsequent, ihn bei unserem Besuch in Bandung zu treffen, und mit ihm und den anderen Leuten vom IRMC (Indonesian Model Railwayers Club) ein paar Sachen zu unternehmen. Das gab mir auch mal die Gelegenheit, ohne den ganzen Familientross unterwegs zu sein. Eine der Touren die wir unternahmen, war Sindanglaut, dieses mal, da sich unsere Unternehmung auch für die Familie interessant klang, mit ihnen. Dampfloks hatten die nämlich damals auch schon seit 15-20 Jahren nicht mehr in Aktion gesehen. Außerdem musste man ja auf mich aufpassen, ich mit nur unzureichenden Sprachkenntnissen, und dann ein völlig Fremder, den ich über das Internet kennen gelernt habe... Also, wir fuhren dann frühmorgens los, Bandung-Cirebon, das sind etwa 150 km, die man aber wegen der Straßenverhältnisse und dem Verkehr gemächlich angehen muss. Und da eines der wichtigen Hobbys aller (!) Indonesier das Essen ist (ohne dabei dick zu werden, wie machen die das bloß?) und unterwegs alle paar Meter am Straßenrand neue Leckereien angeboten werden, da kann sich so eine Fahrt hinziehen... Also 3-4 Stunden für die Strecke muss man schon einplanen, jedenfalls mit Familienanhang, egal wie halsbrecherisch der Fahrer zwischendurch heizt...

Wie konnte ich so unterwegs schlafen? Der (Toyota) Kijang (etwa vergleichbar mit einem Mitsubishi Panther, den gibt’s auch hier, der Kijang ist nur etwas größer) holperte über die Pisten, und bei Cirebon übermannte mich tatsächlich ein Halbschlaf, obwohl wir eigentlich fast da waren. Ich wurde dann unsanft geweckt, wir waren da, vor uns das Werkstor der Paprik Gula Sindanglaut (paprik = Fabrik, Gula = Zucker), der folgende Anblick bot sich mir, und gleich aus der Seitenschibe (ich war der Beifahrer, die fahren in Indonesien auf der linken Straßenseite) auf den Auslöser geklickt.



Im Vordergrund ist die Bahnlinie Cirebon-Yogjakarta zu sehen, ja, so sehen da Hauptstrecken aus. Die Züge auf der Strecke haben mich an dem Tag allerdings überhaupt nicht interessiert, vor uns lag Sindanglaut!



Wir fuhren in das Werksgelände rein, und TC zeigte uns erst mal die ausladend schönen Villen der ehemaligen Kolonialherren (Holland), welche hier bis zum 2. Weltkrieg residierten. Leider habe ich diese Häuser nicht fotografiert, ich fand sie damals nicht so besonders. Inzwischen weiß ich aber, dass es sich dabei um Art Déco Architektur handelt, und das wäre dann doch was besonderes, naja... TC erledigte auch den fälligen Papierkram mit der Besuchsanmeldung und dann ging die Schranke auf, wir waren drin! Das obige Bild zeigt die Werkshallen mit den Schloten hinter idyllischen Blümchen.



Hier werfen wir schon mal einen Blick auf die Gleise, man beachte die eng hintereinander liegenden Weichen. Rechts die 'Gummikonkurrenz', willkommen in der Gegenwart! Denn Sindanglaut hat ein Problem: 1998 wurde eine Autobahn angefangen zu bauen, von Cirebon Richtung Semarang, die Trasse führt nördlich der Fabrik dummerweise mitten durchs Zuckerrohrgebiet. Dummerweise haben sich die Erbauer nicht für das Bähnchen interessiert, so dass die nördlichen Felder vom Gleisnetz abgeschnitten wurden. Dadurch ist auch leider die berühmte Feldbahnbrücke über die Hauptstrecke Cirebon - Semarang Geschichte. Ach ja, bevor ich es vergesse, darf ich vorstellen? In rot, meine Frau, dahinter die Schwiegermama, und mit dem Rücken zu uns mein Schwiegervater. Auf der Linken Seite ist was Grünes zu sehen, das zeige ich euch später aus der Nähe...



Noch mal einen Blick auf die Gummikonkurrenz, bevor wir sie rechts und links liegen lassen. Das Zuckerrohr gelangt von den Mini-LKWs entweder per Kran auf die Loren, oder wie an dem Tag in einer endlosen LKW-Schlange direkt zur Entladestelle für die Loren.



Weiter beim Rundgang übers Gelände, ganz Links das Gebäude mit der Gleiswaage und der 'Lokleitung' oder wie die das auch immer nennen. Einer Einsatzbesprechung wohnen wir später noch bei, die Gleiswaage dient dem Wiegen der Ernte, die hereingefahren wird. Im Hintergrund in Orange, das ist Diesel Nummer 5. Auch dazu später mehr.



Diese Bilder stammen aus der Mittagszeit, es war heiß, unerträglich heiß. Etwa 40° im Schatten, Sonne senkrecht von Oben (das ist am Äquator!), recht trockene Luft, ich schwitzte aus allen Poren, und die Arbeiter links voraus mussten das Gleis reparieren.



Wie halten die das nur aus? Wie hielt ich das nur aus? Ja, hier wird gearbeitet, wie früher bei der Post, einer rackert sich ab, die anderen ... grinsen in die Kamera.



Zurück zur Arbeit, hört, wer da hämmert!



Der Beweis, zu zweit geht es einfacher. Es dauerte trotzdem ewig, bis das Gleis ausgewechselt war. Warum es ausgewechselt wurde, konnte mir keiner schlüssig erklären, das alte und neue Gleis hatten in meinen Augen den gleichen Zustand. Arbeitsbeschaffungsmaßnahme?



Links und rechts wartet Zuckerrohr aufs Entladen, in der Mitte ein Gleisbauzug mit Kletterweichen und Feldbahngleisen beladen. Die mit Zuckerrohr beladenen Loren sind in der Frühe vom Feld hereingekommen, und warten jetzt erst mal, bis alle LKWs entladen sind.



Von der Entladestelle selbst habe ich leider keine Fotos gemacht, denn das Entladen von LKWs fand ich nicht so prickelnd, bedauernswerter Weise, wenn ich mir diesen Beitrag ansehe, irgendwie gibt’s da jetzt eine Lücke. Aber innen drin, in der Maschinenhalle... Moderne Zeiten! Wo ist Charlie Chaplin? Das große Zahnrad hat etwa einen Durchmesser von 2,5 bis 3 Metern! Draußen hatte es 40°C, innen... keine Ahnung, der Schweiß lief noch schneller... Aber egal! Der Boden bebte unter den Füßen im Rhytmus ...



... von Dampfzylindern dieses Ausmaßes! Der hat etwa 1 Meter Durchmesser, gebaut im Jahre 1923 von Stork in England. Das Feeling unter den Füßen ist etwa so, wie wenn eine 01 oder 44 direkt neben einem in 1 Meter Entfernung vorbeischleicht. Nur stärker. Und es richt genauso herrlich nach Dampf! Die Kolben haben vorne offene Gleitbahnen, in denen man die Kolbenstangen hin und her schwingen sehen kann. Und hinten dreht es sich.



Diese Dampfmaschine wurde mir mit besonderem Stolz vorgeführt, denn es ist eine vertikale 'High-Speed Steam Engine', das konnte der zuständige Maschinist sogar in Englisch sagen. An sie ist eine Wasserpumpe angeschlossen.

Wer sich für das genaue stationäre Dampfequipment in Sindanglaut interessiert, dem sei eine Auflistung bei Rob Dickinson empfohlen: http://www.messiaen.co.uk/steam/mills/javaequip.htm


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BeitragThema: Re: Palmen, Zucker und Dampf - PG Sindanglaut im Juni 2003 - Teil 1   Do 09 Apr 2009, 00:31

Slamat Datang Stefan

Stork ist ein Holländische Machinenen hersteller aus Hengelo,
Es exestiert heute noch, aber ist leider durch solge schnel infestoren aufgeteilt worden und teilen sind da durch bewust bankrot gegangen.
Die ganse anlage von viele P.G's sind dort hin als schlusselfertig bauten geliefert worden,als unter bauher war meist O&K oder Oving fur die Feldbahnanlagen zustandig.

Sampe Getung,

John Basketball
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http://www.smalspoor.nl
 
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