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 Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn

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Marian Sommer
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BeitragThema: Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn   So 01 Mai 2016, 21:43



Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn

Vor ziemlich genau 40 Jahren erwarb Manfred Werner aus Löbau eine 55 PS-Krausslok mit der Fabriknummer 7790 vom VEB Schotterwerk Bernbruch bei Kamenz, früher Carl Halbach KG. Die im Jahr 1924 gebaute Lok, ihre weitgehend baugleiche Schwester 7789/1923 (heute im Feldbahnmuseum Herrenleite) und die Jung Hilax 8293/1938 (heute bei der Waldeisenbahn Muskau) waren bis Anfang 1976 als wohl letzte Dampfloks auf einer klassischen Feldbahn in der DDR im Einsatz. Die Lok ging im Tausch gegen 10 Tonnen Schrott nach Löbau und bildete den Grundstock für Werners Gartenbahn. Nachdem im heimischen Grundstück Gleise verlegt und weitere Fahrzeuge beschafft worden waren, gab es ab 1980 öffentliche Fahrten auf einem rund 200 m langen Rundkurs. Mit nur kurzen Unterbrechungen für kleine und mittlere Reparaturen war die Lok bis 2011 regelmäßig im Einsatz und war auch auf zahlreichen anderen 600 mm-Bahnen zu Gast. Vor allem die über viele Jahre hinweg bei der Waldeisenbahn Muskau übernommenen Zugleistungen erfreuten zahlreiche Fahrgäste, aber auch Einsätze im Landwirtschaftsmuseum Alt Schwerin, im Feldbahnmuseum Herrenleite und anderswo machten die Lok und Familie Werner weit über Löbau hinaus bekannt.







Hier noch drei Bilder von den Einsätzen in der Herrenleite:







Die gute Ausgangssubstanz zum Zeitpunkt der Übernahme, vor allem aber die konsequente Pflege und laufende Ausbesserungen an der Lok sorgten dafür, dass die Maschine über 30 Jahre hinweg zuverlässig teils auch schweren Dienst verrichtete. Unvergessen sind lange vollbesetzte Züge zwischen Weißwasser und Kromlau und selbst die Steigung vom Bad Muskau aus wurde mit fünf WEM-Wagen gemeistert - und das alles mit Holzfeuerung!

Zwei Rohrsatzwechsel erfolgten in eigener Werkstatt, dazu Arbeiten an Armaturen, am Fahrwerk und an der Karosserie. Im Jahr 2011 sorgte Korrosion an den Heizrohren für die Abstellung der Maschine. Knapp 50 Jahre nach der letzten grundhaften Überholung des Kessels, damals wurde in Bernbruch die Kupferfeuerbüchse gegen einen stählernen Neubau getauscht, war die Notwendigkeit weiterer Arbeiten, u.a. die Erneuerung zahlreicher Stehbolzen und der Deckenanker, absehbar, auch wenn dies vom heimischen Kesselprüfer noch nicht gefordert wurde. So wurde der Tausch des Rohrsatzes zunächst hintenan gestellt.

Erst mit den Berichten über die Arbeiten in der Werkstatt der Fa. Metallbau Metzger hier im Forum tat sich ein "Fenster" auf, einen in der historischen Technik kompetenten, qualitativ hochwertig arbeitenden und trotzdem bezahlbaren Partner für die anstehende Reparatur zu gewinnen. Nachdem der zu erwartende Kostenrahmen abgesteckt und die Finanzierung grundsätzlich abgesichert war, begann Manfred Werner im Januar mit der Demontage des Kessels. Mitte Februar traf er in Bruchsal ein, wo umgehend der alte Rohrsatz ausgebaut wurde. Anfang April fand dann die Befundung durch den Kesselsachverständigen statt, dessen Forderungen und Empfehlungen nun durch die Fa. Metzger umgesetzt werden:


  • Einbau eines neuen Rohrsatzes,
  • Austausch aller Stehbolzen,
  • Erneuerung der Deckenanker,
  • Aufschweißung an der Rauchkammerrohrwand,
  • vss. 6 Niete erneuern an der Rauchkammerrohrwand sowie
  • einige weitere kleinere Arbeiten.


Die ausgebauten Rohre auf dem Weg in den Schrott:



Rauchkammerrohrwand:



Blechdickenmessung an verschiedenen Stellen:







Fabrikschild:



Beim Ausfertigen des Prüfprotokolls:



Blick auf die Deckenanker und deren Korrosionsschäden:





Nach Abschluss der Arbeiten und Montage des Kessels soll die Lok noch in diesem Jahr wieder zum Einsatz kommen, auf dass sie auch an ihrem hundertsten Geburtstag noch aus eigener Kraft ihre Runden drehen kann! Bis es soweit ist soll an dieser Stelle in loser Folge über den Fortgang der Arbeiten berichtet werden.

Viele Grüße,

i.A.  für die WGB, Marian Sommer.

Fotos: Holger Neumann, Marian Sommer, Siegfried Otto.

P.S. Morgen folgen noch eine Reihe Bilder von der Demontage und Verladung in Löbau.


Zuletzt von Marian Sommer am Mo 02 Mai 2016, 09:34 bearbeitet, insgesamt 2 mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn   So 01 Mai 2016, 21:52

das ist ein spannender Bericht!
Auf eine Weiterführung freut sich sicherlich nicht nur der FebAGCo.
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Marian Sommer
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BeitragThema: Re: Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn   Mo 02 Mai 2016, 13:00



Hallo in die Runde,

hier nun folgen die versprochenen Bilder von der Demontage der Lok:

Es beginnt mit der Zerlegung des Führerhauses, Abheben der Esse, Abbau der Armaturen, der Speiseleitungen und anderer Ausrüstungsteile:



Nicht ganz einfach, weil unter beengten Verhältnissen, der Ausbau der Ausströmrohre:



Nach der Abnahme der Kesselverkleidung und -Isolation und dem Lösen der Befestigungen an der Rauchkammer sowie im Bereich des Stehkessels wurde der Kessel vorsichtig vom Rahmen getrennt:



Hier nicht direkt zu sehen, Ausheben der Stehkesselseite und Ausbau des Aschkastens:



Nun geht es mit vereinter Jung- und Spoorijzerkraft eine halbe Runde um den Garten herum, um den Kessel zur Verladung bereit zu stellen:





Ein Lkw mit Ladekran hilft beim Abheben:



Nach Bruchsal geht es dann mit dem Autoanhänger:



Alle Bilder von P. Biebrach.

Viele Grüße,

Marian Sommer.
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BeitragThema: Re: Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn   Mo 02 Mai 2016, 14:52

Super Sache Marian, auf den Bildern macht er noch nen prima Eindruck.

- Welcher TÜV hat denn den Arbeitsumfang festgelegt und macht die Abnahme, Herr Bosch?

- Gibt es ein Detailbild der auszutauschenden Niete und kritischen Stehbolzen?

Gruß

Rüdiger
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Marian Sommer
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BeitragThema: Re: Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn   Mo 02 Mai 2016, 15:54

Hallo Rüdiger,

ja, Sachverständiger ist Herr Bosch, deshalb hat es auch etwas gedauert bis zum Termin, der dann gemeinsam mit der Druckprobe von Christians O&K-Kessel gelegt wurde.

Von der Grundsubstanz her ist der Kessel auch gut bis sehr gut, gerade auch für das Alter. Manfred Werner hat viel Wert auf Wasseraufbereitung und andere substanzerhaltende Maßnahmen gelegt und das sieht man am Zustand vor allem der äußeren Bleche, da gibt es nach 82 Jahren nur minimale Korrosionsspuren. Man darf auch nicht vergessen, die Lok hat nie auf dem Sockel gestanden, nie längere Zeit im Freien, wurde bei längeren Abstellzeiten immer entwässert usw.

Rohre waren abgängig wegen Lochfraß und das vor allem wohl wegen ungünstiger Materialauswahl. Stehbolzen sind bis auf die unterste Reihe feuerbüchsseitig ähnlich abgezehrt wie der Deckenanker auf dem Bild, aufgrund der viel zu großen Ausgangsdicke (die Löcher hatten Durchmesser 23 mm, da hat man sie halt 1962 auch gleich auf 23 eingebaut...) war noch keiner gerissen und wären auch (noch) akzeptiert worden. Die Entscheidung, trotzdem zu tauschen ist Empfehlung von Herr Bosch, aber vor allem Wunsch von Manfred Werner, um auf absehbare Zeit Ruhe zu haben. Die Feuerbüchse hat wasserseitig Korrosionsspuren, aber nichts Großflächiges bzw. Verheerendes. Hier spielt ebenfalls mit rein, dass Krauss es von Hause aus mit den Blechdicken gut meinte und damit die Bleche im Neuzustand etwas gut dimensioniert sind Smile.

Auszutauschende Niete sind die untersten in der Rauchkammer, wo die Lösche den größten Schaden anrichtet:



Also, bekannte Sache, das betrifft irgendiwe jeden Kessel... Viele Grüße,

Marian.
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BeitragThema: Re: Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn   Mo 02 Mai 2016, 16:05

Danke Marian für die umfassende Aufklärung!

Da kann ja euer Henschel oder Krauss Kessel dann demnächst bei einer Leerfahrt auch gleich hin... Wink  

Das mit dem Hänger sieht übrigens ganz schön mutig aus!

Gruß

Rüdiger
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BeitragThema: Re: Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn   Mo 02 Mai 2016, 16:41

Hallo Rüdiger,

wenn Du wüsstest, was mit dem Anhänger sonst so gemacht wird ;-). Ich hatte übrigens überlegt, folgende Rätselfrage zustellen: Was meint Ihr, was der aller Anbauteile beraubte Kessel so ungefähr wiegt? Ich habe nämlich auch erst dran gedacht, aber sooo mutig muss man nicht sein.

Was den Kessel der "Schwester" angeht, hier wäre viel mehr dran zu machen und der Rest der Lok ist auch sehr verschlissen. Bei der Riesa ist defintiv mit weniger Aufwand schneller was zu erreichen, aber kommt Zeit, kommt Rat.

Bitte nichts durcheinander bringen, hier geht es um die WGB, ich bin vor allem organisatorisch beteiligt, aber nicht in offizieller Mission der HFD/Herrenleite unterwegs. Wir wollen die Szene informieren und da habe ich es einfacher als Manfred Werner und seine anderen Mitstreiter, deshalb berichte ich hier. Nachdem ich es jetzt endlich geschafft habe, den Anfang zu machen, kann Stefan bei Gelegenheit auch zum Stand der Dinge berichten oder wir machen das, wenn es etwas Neues gibt. Viele Grüße,

Marian Sommer.
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BeitragThema: Re: Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn   Mo 02 Mai 2016, 17:24

...also die ganze Lok hat ca. gut 8 to - schätze den Kessel auf 2800 KG!

Gruß

Rüdiger
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Marian Sommer
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BeitragThema: Re: Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn   Mo 02 Mai 2016, 17:31

Hallo Rüdiger,

das täuscht, wenn man die Blechflächen und Dicken zusammenrechnet, kommt man nicht einmal auf die Hälfte, "Kleinkram" wie Stehbolzen usw. dazu bleibst Du auf jeden Fall unter anderthalb Tonnen... Achsen, Rahmen, Zylinder, Puffer und nicht zu vergessen, Wasser im Kessel und Vorräte wollen alles in den rd. 10 t Dienstgewicht untergebracht sein. Viele Grüße,

Marian.
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BeitragThema: Re: Reparatur des Kessels der Krauss 7790 von Werners Gartenbahn   Mo 02 Mai 2016, 20:25

Mahlzeit Marian,

das sind interessante Aufnahmen der Kesselreparatur, vielen Dank dafür. Ich freue mich sehr, dass es voran geht.
Die Krauss 7790 war schon zum Zeitpunkt des Kaufs durch Manfred die bessere der beiden Maschinen. Krauss 7789 stand bis zuletzt im Einsatz während ihre Schwesterlok zusammen mit Jung Hilax 8293 konseviert im Lokschuppen von Bernbruch abgestellt waren. Da gibt es ja sehr schöne Aufnahmen aus dem Herbst 1975. Es ist schon interessant, dass alle drei zuletzt in Bernbruch vorhandenen Dampfloks erhalten geblieben sind, da könnte man mal ein Treffen veranstalten Wink

Was das Gewicht des Kessels angeht, so hätte ich auf etwa 1,4 t geschätzt. Der Hilax-Kessel wiegt rund 1,9t, ist aber etwas größer und hat noch eine Cu-Feuerbüchse.

Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht.

Gruß Sven
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