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 Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V

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lorenpapst
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BeitragThema: Re: Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V   Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V - Seite 2 EmptyFr 12 Okt 2018, 15:58

Auf jeden Fall weiter.

Gruß
Dirk
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Matthias S.

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BeitragThema: Re: Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V   Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V - Seite 2 EmptyFr 12 Okt 2018, 19:26

wismarwagen schrieb:

Wird bei Interesse fortgesetzt ...

Ja unbedingt! Daumen hoch

_________________
Grüße, Matthias

wir können alles, außer hochdeutsch

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wismarwagen
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BeitragThema: Re: Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V   Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V - Seite 2 EmptySa 13 Okt 2018, 00:29

So sei es denn:

Zustand bei Übernahme

Bedingt durch die vermutlich permanente witterungsgeschützte Abstellung und den nur geringen Einsatz der Lokomotive über mehr als 100 Jahre hinweg befindet sich die Lokomotive bei der Abholung in einem weitestgehend kompletten und originalen Erhaltungszustand. Alle Betriebsstoffe der Maschine sind abgelassen und blanke Metallteile mit einer dünnen Fettschicht vor Korrossion geschützt. Der Motor ist drehbar.

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Dokumentation der Lokomotive vor der Verladung im Depot des Deutschen Museums, Foto: RF

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Dokumentation der Lokomotive vor der Verladung im Depot des Deutschen Museums, Foto: RF

Fehlteile

Äußerlich erkennbar sind mehrere, zum Teil großflächige, Farbabplatzungen und Kratzer sowie weiterer Transport- und Lagerschäden. Bei der Inaugenscheinnahme werden folgende Fehlteile festgestellt:
a) Handglocke (1x leere Halterung vorhanden)
b) 2x Karbidlampe (2x leere Halterung vorhanden)
c) Schwimmernadelführung am Vergaser
d) Zündleitung zwischen Magnet und Abreißzündung (Befestigungsbohrungen vorhanden)
e) unbekanntes Bauteil im Bereich des Führerstandes (evtl. Sitzhalterung), Befestigungsschrauben vorhanden
f) Sicherungsfeder einer Dosierschraube am Zentralöler.

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Befestigungsschrauben und Durchführung für ein unbekanntes Bauteil im Bereich des Führerstandes

Schäden

Des Weiteren sind mehrere Defekte, bedingt vermutlich durch Vandalismus während der Ausstellungszeit oder Transport- und Lagerschäden erkennbar:
a) Schauglas zweier Sichtöler am Motor zerbrochen, Splitter nicht vorhanden
b) Schauglas an Zentralschmierapparat zerbrochen, Splitter nicht vorhanden
c) Diverse Abschürfungen/Kratzer am Lack, insbesondere auf der linken, vorderen Seitenwand
d) Schlagwetterschutz (= fliegengitterartiges Messingnetz) der vier Belüftungslöcher des Motorgehäuses beschädigt.

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Blick auf den Zylinderkopf vor Beginn der Arbeiten, fehlende Schaugläser zweier Sichtöler sowie allgemeine Staub- und Flugrostablagerungen erkennbar, Foto: VS

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Zentralschmierapparat vor Beginn der Arbeiten, fehlendes Schauglas und fehlende Feder der rechten Dosierschraube sowie allgemeine Staubablagerungen erkennbar, Foto: VS


Fortsetzung folgt ...
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BeitragThema: Re: Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V   Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V - Seite 2 EmptyMo 15 Okt 2018, 09:40

Weiter geht's ...

Umbauten
An einigen Stellen der Lackierung scheint erkennbar, dass insbesondere die schwarzen Zierlinien zu einem sehr frühen Zeitpunkt nachgemalt worden sind. Eventuell geschah dies im Rahmen der Übergabe der zu diesem Zeitpunkt immerhin zwei Jahre alten Lokomotive an das Deutsche Museum im Jahre 1907. Zudem wurden viele der Messing-Armaturen (Hähne) sowie die verzinkte Hülle des Tankes überstrichen. In diesen Bereichen ist es auf Grund schlechter Haftung zu starken Farbabplatzungen gekommen. Insbesondere am Tank sind nur noch wenige Reste der ehemaligen Lackierung erhalten.

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Beschädigter Schlagwetterschutz im Führerstand der Lokomotive, Foto: VS

Weiterhin können einige Veränderungen festgestellt werden, die vermutlich auf Grund der Ausstellung der Lokomotive erfolgten. Am auffälligsten sind hierbei zwei Lampenfassungen innerhalb des Gehäuses. Die erste wurde in der Lüftungsöffnung über dem Zylinderkopf mittels zweier Holzstücke unter Beschädigung des dort vorhandenen Schlagwetterschutz-Netzes angebracht und ist nur fragmentarisch erhalten. Die zweite Fassung wurde unter Beilage zweier Lackpappen als Isolator über dem Getriebe verschraubt und ist inklusive Glühlampe und Resten des Kabels erhalten. Das auf dem Lampenglas eingeätzte AEG-Logo lässt auf eine Herstellung zwischen 1908 und 1912 schließen. Zur Wärmeabfuhr wurde das Abdeckbleck des Getriebes mit einem Loch versehen. Die Lampenfassungen werden für die Inbetriebnahme der Lokomotive entfernt und gesondert aufbewahrt.

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Einbausituation der Glühlampe im Getrieberaum

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Einbausituation der Motorraumausleuchtung

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Durch Anbringen der Beleuchtung zerstörter Schlagwetterschutz

Eine der an den Seiten der Lokomotive angebrachten Erläuterungstafeln verdeckt das Loch zur Betätigung des Kraftstoffhahnes und blockiert die Betätigungswelle, welche zum Herausnehmen des Tankes, wie es zum übertägigen Füllen vorgeschrieben und vorgesehen war, nach außen gezogen werden muss. Die Betankung kann daher ohne größere Arbeiten nur durch die Entlüftungsöffnung erfolgen.

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Durch Schild verdeckte Bohrung zur Betätigung des Kraftstoffhahnes

Die Handgriffe der beiden Ablasshähne des Kühlwassersystems sind so angeordnet, dass sie in geschlossener Stellung über die Fahrzeugumgrenzung hinausragen. Es ist zu vermuten, dass die Griffe für die Ausstellung um 90° gedreht wurden, um ein Hängenbleiben an den geöffneten Hähnen zu vermeiden.

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Ablasshähne für Kühlwasser in geschlossener Stellung

An den rückseitigen Trägern des Führerhausdaches wurde zusätzlich zu den erläuternden Messingtafeln an den Seiten ein handgemaltes Blechschild mit der Aufschrift „Benzin-Grubenlokomotive von der Gasmotorenfabrik Deutz“ angebracht. Auf dem Dach der Lokomotive findet sich der Rest eines hölzernen Rahmens, in welchem vermutlich eine weitere Schautafel befestigt war. Alle Teile werden gesondert eingelagert. Die Sandkästen auf beiden Seiten sind mit Kies und Lehmbrocken verstopft.

Sonstiges
In der Werkzeugkiste der Lokomotive befinden sich neben der Andrehkurbel einige Teile, welche nicht der Lokomotive zugeordnet werden können und gesondert aufbewahrt werden:
a) Messing-Staufferbuchse
b) Handkurbel mit Holzgriff
c) Mehrfach gebohrtes Flacheisen
d) Schraubkappe aus Stahl
e) Sechskantschraube
f) Schienennagel.

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Fundstücke aus der Werkzeugkiste der Lokomotive

Verteilt in der ganzen Lokomotive finden sich Reste eines groben Stoffes (Kartoffelsack), hierbei könnte es sich um Reste von Mäusenestern handeln.
Im Kühlwasserkasten der Lokomotive finden sich Fahrkarten der Münchner Straßenbahn. Es handelt sich um vier entwertete (zerrissene) Karten mit fortlaufender Nummer (47600-47603). Des Weiteren ein Werbezettel der Firma „Gero“ Gerling und Rockstroh, Dresden. Eventuell die Hinterlassenschaft eines Familienbesuches im Deutschen Museum. Auch diese sind gesondert eingelagert.

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Fahrkarten im Wasserkasten der Lokomotive

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Fundstücke aus dem Wasserkasten der Lokomotive

Ergänzungen
Für die Lokomotive konnte eine passende Handglocke mit dem eingegossenen Schriftzug „DEUTZ“ beschafft werden.

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Nachbeschaffte Handglocke in originaler Halterung montiert


Fortsetzung folgt ...
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BeitragThema: Re: Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V   Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V - Seite 2 EmptyMo 15 Okt 2018, 15:49

Mahlzeit!

Eine sehr schön detaillierte Bestandsaufnahme!
Ich bin sehr auf eine Fortsetzung gespannt.

Gruß Sven
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BeitragThema: Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V   Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V - Seite 2 EmptyMo 15 Okt 2018, 22:11



Also ist die vielzitierte Kurbelwellenbeleuchtung doch keine Jux-Erfindung!
Bitte schaut mal nach, ob Ihr auch die Kolbenrückzugsfedern noch findet.

M.
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BeitragThema: Re: Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V   Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V - Seite 2 EmptyDi 06 Nov 2018, 08:21



Nach ein paar Tagen Pause kommen wir zur eigentlichen "Aufarbeitung", welche eher eine Durchsicht ist:


Aufarbeitung und Durchsicht

Nach Ankunft der Lokomotive wurde diese zunächst äußerlich von Staub und Schmutz befreit. Dies geschah zunächst mittels trockenem, später mittels wasserfeuchtem Lappen. Die im Gehäuse verteilten Stoffreste wurden mittels Besen und Staubsauger entfernt.

Fahrwerk
Vor Beginn einer betriebsfähigen Aufarbeitung wurde zur Herstellung der Verschiebbarkeit der Lokomotive zunächst die Funktion der Achslagerschmierung geprüft. Hierzu wurden die Oberkästen mit Öl gefüllt und der Ölstand am nächsten Tag geprüft. Bei drei der vier Achslager war eine Abnahme des Ölstandes erkennbar. Auch zeigte sich beim Verschieben ein deutlich geringerer Rollwiederstand der Lokomotive. Nach mehrmaligem Bewegen der Lokomotive wurde auch bei dem vierten Achslager ein Sinken des Ölstandes bemerkt. Da keine Anzeichen eines Trockenlaufs (Erwärmung, Geräusche) erkennbar waren, wurde auf einen Ausbau der Achsen und ein Öffnen der Lager verzichtet.
In einem weiteren Schritt wurden die zur Konservierung aufgebrachten, verharzten Fettschichten entfernt und die Getriebeelemente, Ketten und Motorlager geschmiert und bewegt, um die Schmierstoffe zu verteilen und Leichtgängigkeit herzustellen.
Im Rahmen der routinemäßigen Abnahme von Lokfahrwerken wurde die Bremsanlage durch den TÜV Hessen begutachtet und für betriebssicher befunden.

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Ansicht der Bremsanlage, Achslager und des Kettenschutzkastens

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Detailansicht der vorderen Zugvorrichtung und des Auspuffes

Motor
Im Anschluss erfolgte eine Prüfung des Kurbelwellen- und des Pleuellagerspiels mittels Hebels. Da weder optisch noch akustisch Spiel zu erkennen war, wurden die Lagerungen ohne Demontage für gut befunden.
Nach Ausbau der Zündplatte zur Reinigung und Kontrolle der Kontakte konnte der Brennraum mittels Endoskop begutachtet werden. Die Zylinderwände zeigten keine Rostspuren oder Ablagerungen. Auch waren keine Ölspuren, die auf ein Festsitzen der Kolbenringe schließen lassen würden, zu erkennen. Nach Ausbau der Zündplatte wurden die Schmierstellen mit Öl versorgt und der Motor einige Male durchgedreht, um das Öl in den Lagerstellen zu verteilen und Leichtgängigkeit herzustellen.

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Blick in den Zylinderkopf: Minimaler Flugrost auf den Ventilen erkennbar

Der Zündmagnet wurde zur Prüfung und eventuellen Aufmagnetisierung oder Neuwicklung demontiert. Nach einer Reinigung des Magneten und Schmierung der Lager zeigte sich eine einwandfreie Funktion und ausreichende Stärke des Zündfunkens, sodass auf weitere Arbeiten verzichtet werden konnte.

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Zur Funktionsprüfung demontierter Zündmagnet

Hierauf wurden die demontierten Komponenten wieder eingebaut und der Motor auf Kompression getestet. Es zeigte sich eine Undichtigkeit des Einlassventiles welche sich nach der Zerlegung als durch ein am Ventilkegel festhängendes Dichtungsstück erklären ließ. Wie dieses dorthin gelangte, ist nicht nachvollziehbar. Nach Wiedereinbau des Einlassventils und erneuter, nun zufriedenstellender Prüfung der Kompression wurde das fehlende Zündkabel provisorisch hergestellt.

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Ausgebautes Einlassventil mit darin verklemmter Dichtungsscheibe, Foto: VS

Die fehlenden/zerbrochenen Ölvorratsgläser im Motorraum wurden ergänzt. Hierbei handelt es sich zunächst um moderne Kunststoffvasen, da Glasbehälter in der passenden Form kurzfristig nicht beschaffbar waren.
Hierauf erfolgte mittels eines Hilfstanks eine erste kurze Funktionsprobe des Motors, welche ein gutes Anspringverhalten und einen ruhigen Lauf zeigte.
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BeitragThema: Re: Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V   Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V - Seite 2 EmptyDi 29 Jan 2019, 22:02



Zentralschmierapparat
Der Zentralschmierapparat wurde zur Reinigung und Funktionskontrolle demontiert und zerlegt. Neben einer äußerlichen und innerlichen Reinigung mit Bremsenreiniger und Druckluft wurden die Tropfsichtröhrchen ausgebaut und einzeln gereinigt. Nach der Anfertigung neuer Dichtungen und dem Einbau eines neuen Füllstands-Schauglases inklusive Befestigungsmutter konnte die Baugruppe wieder montiert werden. Hierbei wurde auch die fehlende Sicherungsfeder einer Dosierschraube ergänzt.

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Regulierschrauben, Gewindestutzen, Sichtröhrchen (v.h.n.v.) des Zentralschmierapparats

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Sichtgläser nach der Reinigung

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Eingebauter und komplettierter Zentralschmierapparat

Die Schmierbehälter wurden mit Öl bzw. Petroleum (Auslassventil) befüllt und auf Dichtheit geprüft. An der Schmierpumpe für den Kolben war ein Austausch der Dichtungen notwendig.

Kühlsystem
Im Kühlwassertank befand sich eine Schicht orange-brauner staubartiger Ablagerungen (Rost) welche zunächst mittels Staubsauger entfernt wurden.

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Rostablagerungen im Kühlwasserbehälter vor der Reinigung

Im Anschluss wurde das Kühlwassersystem mehrfach mit Wasser gefüllt und gespült, dabei wurden alle Leitungen, Hähne und Verschraubungen auf Dichtheit und Funktion geprüft. Dabei konnten lediglich kleinere Undichtigkeiten an Verschraubungen sowie am Hahn des Feuerlöschers bemerkt werden. Letztere ist wohl auf häufige Betätigung während der Ausstellungszeit zurückzuführen. Die Undichtigkeiten behoben sich durch Quellen der Dichtungen bzw. Nachziehen des Hahnes.

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Spülen des Kühlwassersystems

Um weitere Korrosion im Kühlwassersystem zu verlangsamen wurden zwei Opferanoden aus Zinkblech im Kühlwasserbehälter installiert und elektrisch leitend mit dem Gehäuse der Lok verschraubt.

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Opferanode aus Zinkblech im Kühlwasserbehälter

Für die erste Inbetriebnahme wurde das Kühlwasser mit Soda versetzt, um Ablagerungen im Kühlwasserkreislauf (Rost, Kalk) zu lösen. Der anschließende Probelauf des Motors zeigte keine Anzeichen von Undichtigkeiten insbesondere im Bereich der Zylinderkopfdichtung sowie ein einwandfreies Arbeiten der Kühlwasserpumpe.
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BeitragThema: Re: Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V   Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V - Seite 2 EmptyMi 27 Feb 2019, 11:08



Kraftstoffsystem
Der Kraftstofftank wurde zur Reinigung und Begutachtung demontiert. Hierbei zeigte sich, dass es im untersten Bereich zwischen Tank und Kühlwasserbehälter zu Spaltkorrosion auf Grund zu geringen Abstandes gekommen war. Weder am Kühlwasserbehälter noch am Tank sind hierdurch bisher größere Schäden entstanden. An der Unterseite des Tanks fanden sich weitere, weniger verwitterte Farbreste, welche sich allerdings wie an der Oberseite bereits durch Berührung von der Oberfläche lösen.

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Tank nach der Demontage

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Schmutzablagerungen und Spaltkorrosion (Mitte) unter dem Tank

Nach Demontage des Kraftstoffhahnes und der Entlüftungsschraube konnte der Tank optisch begutachtet werden. Im Inneren waren ein weißlicher Belag (evtl. Zink) sowie kleinere Ablagerungen zu erkennen. Um ein Zusetzen der Kraftstoffleitung oder des Vergasers zu verhindern, wurde der Tank mittels Tankdoc-Reiniger und -Entroster behandelt. Zu diesem Zweck wurden alle Öffnungen luftdicht verschlossen, sodass der Tank zugleich auf Dichtheit geprüft werden konnte. Auch bei leichtem Überdruck zeigte der Kraftstoffhahn keine Undichtigkeiten. Im Anschluss an die Behandlung wurde der Tank mehrfach mit Wasser gespült, getrocknet und anschließend erneut begutachtet. Hierbei zeigte sich, dass lose Ablagerungen und oberflächliche Rostblüten entfernt waren. Nach Einsatz einer neuen Dichtung zwischen Tank und Kraftstoffhahn wurde der Tank wieder auf der Lokomotive montiert. Hierbei wurde an allen vier Auflagepunkten eine Unterlegscheibe beigelegt, um einen Luftraum zwischen Tank und Kühlwasserbehälter sicherzustellen. Die Kraftstoffleitung wurde mittels Druckluft auf Durchlässigkeit geprüft.


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Blick in das Tankinnere vor der Reinigung


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Blick in das Tankinnere nach der Reinigung

Bei der ersten Befüllung mit Benzin zeigte sich eine Undichtheit der Stopfbuchse am Kraftstoffhahn, da diese durch Nachziehen nicht zu dichten war, wurde die Packung getauscht.

Zu erledigende Nacharbeiten
Am 29. und 30.09.2018 wurde der Motor erstmals über mehrere Stunden betrieben und erste Probefahrten durchgeführt. Dabei ergab sich die Notwendigkeit kleinerer Nacharbeiten, welche in nächster Zeit auszuführen sind:
Anfertigung eines historisch passenden "Zündkabels":
Die bisherigen Probeläufe wurden mit einem provisorischen, modernen Zündkabel durchgeführt. Ein erster Versuch erwies sich auf Grund zu hohen Widerstands als nicht funktionsfähig, da die vom Magneten erzeugte Spannung vermutlich im Lauf der Standzeit abgenommen hat. Hier muss ein Kabel mit größerem Querschnitt angefertigt werden. Eine Aufmagnetisierung des Zündmagneten scheint derzeit noch nicht notwendig.
Abdichtung in der Zündplatte:
Nach Erreichen der Betriebstemperatur zeigte sich, dass der bewegliche Kontakt der Zündplatte den Brennraum nicht mehr vollständig abdichtet, es kommt zum Austritt von Verbrennungsgasen, die die Leistung des Motors reduzieren.
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Undichtigkeit an der Zündplatte führt zu Leistungsreduzierung des Motors

Bei der Zerlegung stellte sich heraus, dass die Keramik-Dichtung des beweglichen Zündkontaktes zerbrochen war. Diese wurde daraufhin durch eine Nachfertigung aus hitzebeständiger, asbestfreier Bremsscheiben-Keramik ersetzt.


Damit endet die Dokumentation über die Arbeiten an der Lok. Ich hoffe, es hat gefallen.
Falls jemand also auch mal eine 111 Jahre lang konserviert abgestellte Motorlok finden sollte ...
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BeitragThema: Re: Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V   Vorstellung der Bbm Benzolok Deutz 320 aus 1906 Typ C V - Seite 2 EmptyDo 28 Feb 2019, 10:15

Dein Bericht ist sehr interessant, aber wäre auch eine Videoaufnahme von der laufenden Lokomotive möglich? Ich denke hier sind sicher einige Filmchen entstanden Smile
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